Rezension von Dorothee Matejit

Laure erlebt den Albtraum einer jeden Frau: Ein dreister Dieb entreißt ihr die Handtasche und verletzt sie dabei so schwer, dass sie kurze Zeit später ins Koma fällt. Während sie im Krankenhaus liegt, findet der Buchhändler Laurent auf dem Weg zu seinem Café eine Handtasche. Sie steht auf dem Deckel einer Mülltonne und Laurent nimmt sie mit in der Absicht, sie bei der nächsten Polizeistation abzugeben. Es macht ihn verlegen, von Passanten angestarrt zu werden: „…ein Mann mit einer Handtasche, und noch dazu lila.“ (S. 25)

Leider sind die Polizisten auf dem Revier zu beschäftigt, um sich um Laurent und die Handtasche zu kümmern. Und so kommt es, dass Laurent die Tasche mit nach Hause nimmt und sich in der folgenden Zeit ausgiebig mit deren Inhalt beschäftigt. Er versucht, sich ein Bild von der Unbekannten zu machen und hofft, Hinweise auf die Identität der Frau zu finden, um ihr die Tasche zurückgeben zu können. Dank des persönlichen Notizbuchs der Unbekannten, wird sie ihm immer vertrauter. Er lernt ihre Gedanken, Vorlieben und Abneigungen kennen und beginnt, sich in eine Unbekannte zu verlieben.

Nach ihrer Rückkehr aus dem Krankenhaus kann Laure ihr Glück kaum fassen, als die so schmerzlich vermisste Tasche zusammen mit einem Brief des Finders auf ihrem Bett liegt. Der Brief enthält jedoch weder einen Nachnamen noch eine Adresse, so dass sich nun Laure wie zuvor Laurent auf die Suche nach einem Unbekannten macht.

Rezension

Der Debutroman von Antoine Laurain spielt in Paris und nimmt den Leser mit auf einen Streifzug durch die Straßen der Stadt mit vielen charmanten Einblicken in die französische Art zu leben. Man trifft einen Nobelpreisträger auf seinen regelmäßigen Spaziergängen durch einen Park; man teilt Laurents Befremden, als seine Tochter ihn zwingt, vor zwei verhasste Schulkameradinnen ihren Liebhaber zu spielen; das Rezept eines Potaufeu wird diskutiert. Da sind immer wieder Stellen im Buch, bei denen ich mir innerlich eine Notiz machte „Nächste Parisreise planen!“. Es ist amüsant, kurzweilig und zauberhaft, den sympathischen Laurent auf seiner Suche nach der Unbekannten zu begleiten. Die französische Hauptstadt liefert dafür einen wunderbaren Hintergrund.

Mein Fazit

Für mich ist dies eines der schönsten Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Die Geschichte ist eher romantisch als realistisch, aber sie lässt einen mit einem verträumten Lächeln und einem rundum guten Gefühl zurück. Das hübsch eingebundene Werk nimmt man gern in die Hand und es ist perfekt geeignet, es an einem gemütlichen Sonntag auf dem Sofa zu genießen. Für mich hätte es gern doppelt so dick sein können, denn die 239 Seiten sind im Nu gelesen. Zum Glück hat der Autor noch weitere Bücher geschrieben!

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