Christina Seidel: „Kritik annehmen, auch wenn es mitunter weh tut“

Interview Christina Seidel

 

Christina Seidel
(c) C. Seidel

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser.Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Vor 30 Jahren, als ich mit dem Geschichten schreiben begann, nicht, jetzt ja.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Tür zu, Handy aus, Kaffee und Schokolade…

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Früher Astrid Lindgren, als ich vorwiegend für Kinder schrieb und meine Söhne inspirierten mich, jetzt sind es oft Zufälle, die den Anlass für ein Buch geben.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Das ist in allen Kulturbereichen so (Malerei, Theater, Film, Musik). Beziehungen und ein Name sind das A und O. Ich bin kein Marketingexperte und hoffe nur, das alte Sprichwort hat noch seine Gültigkeit: Talent setzt sich durch.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Kritik annehmen, auch wenn es mitunter weh tut, von ehrlichen Freunden und wenn möglich, einem einigermaßen erfolgreichen Schriftsteller. Und wenn man dann immer noch der Meinung ist, seine Ideen und Texte sind gut, nicht aufgeben. Aber ohne die Illusion, damit reich zu werden.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Studiert habe ich Chemie und bin im Innern immer noch Naturwissenschaftler, fasse mich lieber kurz und tue mich schwer bei ewigen Landschaftsbeschreibungen.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Das war noch nie mein Thema für ein Buch. Der Autor, der sich damit befasst, sollte umfangreich recherchieren und immer beide Seiten anhören.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Am liebsten schreibe ich gleich am Morgen nach dem ersten Kaffee. Ich bin ausgeruht, schwungvoll freue mich auf den Tag, hoffe auf gute Ideen und dass es „fließt“. Abends kriege ich dann nichts Gutes mehr zu Stande.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Arbeitstitel: „Die Weihnachtskinder aus dem Vogtland“ Acht Babys wurden in der Weihnachtszeit 2007 im Klinikum Obergöltzsch geboren. Seitdem besuche ich sie und ihre Eltern regelmäßig und interviewte die Mütter zweimal im Jahr, hielt auch im Foto die Entwicklung der Kinder fest. Im August sind sie in die Schule gekommen und das Buch wird im Sommer beim Mitteldeutschen Verlag erscheinen.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.



Kurzbiografie Dr. Christina Seidel

  • Geb. 1952 in Halle/Saale, verheiratet, zwei Söhne, Chemiestudium und Promotion,
  • seit 1983 schriftstellerisch tätig, VS Mitglied,
  • 1993 – 2008 Vorsitzende des „Kinder-Jugend-Schreibring e.V.“
  • 1994 – 2011 Leiterin der Begegnungsstätte „Schöpf-Kelle“ in Halle,
  • seit 2000 Dipl. Soz.-Pädagoge,
  • 2000/01 Stadtschreiberin in Halle

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