Felix Mennen: „Die Geschichten müssen für sich sprechen“

Interview mit Felix Mennen

 

(c) F. Mennen
(c) F. Mennen

Felix Mennen, 1971 in Bonn geboren, wurde Mitte der 90er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig vom heutigen Leiter, dem Wiener Bestseller-Autor Josef Haslinger entdeckt, welcher auch Mennens vielgelobtes Debüt Du lebst ganz und gar über mir lektorierte. Nach weiteren Romanveröffentlichungen erschien zuletzt sein Krimi noir „Schwarze Sonne“. Seit Anfang der 00er Jahre arbeitet Felix Mennen auch als Drehbuchautor (u.a. für „Polizeiruf 110“).

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein. Allerdings verdiene ich den Großteil meines Geldes als Drehbuchautor, sodass ich bei Prosawerken frei von solchen Gedanken bin.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise  die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Bestsellerlisten tragen dazu bei, dass immer mehr Geld mit der Veröffentlichung von Mainstream- bzw. mainstreamiger Genre-Literatur verdient wird und die Verlage sich noch mehr auf die Vermarktung ihrer Erfolgsautoren konzentrieren. Allein schon, dass es heutzutage drei Bestsellerlisten gibt: Hardcover, Paperback und Taschenbuch – in welchen zu einem großen Teil nur noch Genre-Literatur, wie Krimis und Thriller, Erotik- und Liebesromane oder Fantasy -und Vampir-Geschichten gelistet werden. Damit verdienen die Verlage ihr Geld.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Die Ruhe bewahren. Abschalten. Versuchen, auf andere Gedanken zu kommen. Warten, bis einem die ‚Muse’ wieder küsst, meist kommt sie dann ganz von alleine zurück. Viele Ideen formen sich auch über Nacht im Schlaf, wenn in den Träumen kreative Prozesse noch einmal verarbeitet werden. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, habe ich allerdings viele Jahre und schlaflose Nächte gebraucht.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Eher wenig, die Selbstinszenierung liegt mir nicht so. Aber ich befürchte, dass ist heutzutage die falsche Einstellung.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Einen überzeugenden Text abliefern.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Die Auflistung würde hier den Rahmen sprengen, also nenne ich mal nur die drei, die mich in der vermutlich wichtigsten Phase, meiner Jugend, am meisten geprägt haben. Das wären:
Charles Bukowski, Philippe Djian und Edgar Hilsenrath.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Ich denke, es ist wie überall ein Geben und Nehmen. Große Verlage schalten große Anzeigen und bekommen dafür die Feuilleton-Spalten reserviert. Manchmal gelingt es extrem engagierten Klein-Verlegern dort eine Lücke zu finden. Es ist allerdings sehr schwierig. Denn was haben ‚die Kleinen’ zu bieten? Einem guten Text – vielleicht. Aber davon kann noch niemand leben.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Einen anständigen Beruf ergreifen. Spaß beiseite. Ich kann aber auch niemanden etwas empfehlen, außer das zu tun, was man nicht lassen kann.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Alles, was mich langweilt, fällt mir schwer. Mit Sex-Szenen habe ich allerdings keinerlei Probleme. Bei meinem letzten Buch „Schwarze Sonne“ musste ich gar auf Wunsch des dtv-Verlags in der Taschenbuchausgabe die Sexszenen etwas entschärfen, quasi von FSK 16 auf FSK 12 runterfahren.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren  insgesamt zu dem Thema?

Ich bin kein Sendungsideologe. Die Geschichten müssen für sich sprechen, der Leser sich seine eigene Meinung bilden. Wenn sich in meinen Geschichten Figuren verirren, die zu kontroversen politischen Themen eine Haltung haben, dürfen sie die selbstverständlich äußern.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich habe absolut feste Zeiten.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Über einen ehemaligen in Berlin sehr bedeutenden türkisch-deutschen TV-Sender, bzw. über den Gründer und seinen Sohn. Eine Integrationsgeschichte der ganz anderen Art.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Felix Mennen im WWW

 

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