Klaus Neuhaus: „Ich fühle mich eher wie das Rennpferd in der Startbox“

Interview mit Klaus Neuhaus

 

(c) Klaus Neuhaus
(c) Klaus Neuhaus

Klaus Neuhaus, Jahrgang 1952, lebt als Musiker, Komponist und Autor in Dortmund, ist Vater von drei Kindern und verheiratet mit der Musikwissenschaftlerin und Kultur-Journalistin Sabine Kreter-Neuhaus. Mit seinem Freund und Kollegen Martin Hörster betreibt er unter dem Namen HörNeuMusik ein Download-Label für Kinderlieder und leitet eine Musikschule in Dortmund.

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Klaus Neuhaus: Nein, es gibt nur den einen Gedanken: eine interessante Geschichte zu schreiben.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Klaus Neuhaus: Um Bestseller und Bücherrankings mache ich gerne einen Bogen. Mit kleinen Ausnahmen, wenn die Neugierde siegt, wie zum Beispiel bei Moritz Rinke oder Daniel Glattauer. Den „Mann, der durch das Jahrhundert fiel“ mit seinen 482 Seiten benutze ich noch täglich als Hilfsmittel für meine Knieübungen.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Klaus Neuhaus: Schreibblockaden kenne ich nicht. Wenn der Laptop problemlos läuft, lese ich den Schluss des letzten Kapitels und fühle mich eher wie das Rennpferd in der Startbox, kann es kaum erwarten weiterzuschreiben.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Klaus Neuhaus: Als Freund der Arbeitsteilung überlasse ich das lieber dem Verlag und den Leuten, die sich u.a. um meine Homepage kümmern.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Klaus Neuhaus: Neulinge kommen eher aus der jungen Szene und schaffen es häufig über Live-Auftritte, Facebook oder Youtube-Videos. Ich setze auf die bewährten Klassiker im Verlagswesen wie Kataloge und Pressemitteilungen.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Klaus Neuhaus: Inspirieren lasse ich mich am ehesten von Musikerkollegen unter den Autoren wie Thommie Bayer, Edgar Rai, Tony Hawks oder Heinz Strunk.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Klaus Neuhaus: Vielleicht sollten es die Newcomer den Wirtschaftsleuten nachmachen, nach Sylt fahren und mit den richtigen Leuten joggen gehen. Spaß.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Klaus Neuhaus: Anfängerfehler würde ich im Nachhinein nicht vermeiden, so wie im richtigen Leben. An meine Blauäugigkeit erinnere ich mich sehr gerne und möchte sie nicht missen.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Klaus Neuhaus: In dem Roman, an dem ich aktuell schreibe, gab es zwei Sex-Szenen, die meine Frau als Co-Autorin gnadenlos als zu vulgär gestrichen hat. Also auf ein Neues im nächsten Roman.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Klaus Neuhaus: An andere Autoren habe ich keine Erwartungen, sondern nur an mich. Wollte ich anfangs „nur“ eine Liebesgeschichte schreiben, so wurde es jetzt auch eine Auseinandersetzung mit dem aktuellen Geschehen in meiner Heimatstadt Dortmund wie Wahlerfolg der Neo-Nazis, Bausünden, Schrumpfen der Zeitungslandschaft. Das alles hat sich mir aufgedrängt und ist nun Bestandteil der Geschichte.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Klaus Neuhaus: Es gibt an mich meine Vorgabe, dass ich mindestens vier Stunden Zeit und Ruhe habe, um zu schreiben. An dem Tag, als ich kürzlich über eine Beerdigung schreiben wollte, erreichte mich das Thema Tod privat gleich von zwei Seiten. Geschrieben habe ich trotzdem oder erst recht.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Klaus Neuhaus: Seit dem Herbst 2014 schreibe ich gemeinsam mit meiner Frau, der Kultur-Journalistin Sabine Kreter-Neuhaus, an einem Roman über die Kraft der Liebe und die Macht der Musik. Genauer: Der Musiker Jan arbeitet mit seiner Band im Studio an einer CD für ein Hamburger Jazz-Label, während die Journalistin Lena in der Dortmunder Innenstadt gerade einen Buchladen eröffnet hat. Und das in der Brückstraße, in der die jüdischen Eltern des FC Bayern München-Gründers Benno Elkan im 19. Jahrhundert eine Herrenschneiderin betrieben. Das „überraschende Finale“ findet möglicherweise in Berlin statt.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


www.klaus-neuhaus.de


 

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