Lutz van Dijk: „In mir sind immer mehr Geschichten, als ich aufzuschreiben schaffe“

Interview mit Lutz van Dijk

Kurzbiografie

(c) Egmont Seiler
(c) Egmont Seiler

Dr. Lutz van Dijk ist ein deutsch-niederländischer Schriftsteller, geboren 1955 in Berlin, zuerst Lehrer in Hamburg, später Mitarbeiter des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam. Seit 2001 lebt er als Ko-Direktor der Stiftung HOKISA, die sich für von AIDS betroffene Kinder einsetzt, in Kapstadt, Südafrika. Seine Bücher richten sich vor allem an Jugendliche und (junggebliebene) Erwachsene und erzählen von jungen Leuten,  die anders sind als die Mehrheit und sich für ihre Rechte einsetzen.

 

Interview

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein. Es gibt Geschichten, die ich schreiben wuerde, auch wenn es dafuer keinen “Markt” gaebe. Aber manchmal irrt der Markt sich ja auch.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise  die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Ich lese Sie mit genauso großer Neugier wie Unabhaengigkeit.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Habe ich nie. In mir sind immer mehr Geschichten, als ich aufzuschreiben schaffe. Mal sehen, ob das so bleibt. Da ich nun schon 60 werde dieses Jahr, bleibe ich optimistisch.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Ich bin kein Fan sozialer Netzwerke… zum Glueck kommen weiter ausreichend LeserInnen auf meine Veranstaltungen. Diese bereite ich aber gut vor… und dafuer nehme ich mir die Zeit.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Auf die eigene Fantasie.  Ansonsten einen engagierten Verlag zu haben.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Autoren aus Suedafrika, wie zum Beispiel Sonwabiso Ngcowa (in deutsch seit 2014: “Nanas Liebe”, Peter Hammer Verlag, Wuppertal).

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Indem auch junge, wilde, leidenschaftliche RezenzentInnen rangelassen werden.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

An die eigene Geschichte glauben und vielleicht eine/n erfahrene/n Kollegen/in zum Mentor machen.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Sex und Liebe sind wunderbare Inspirationen zum Schreiben. Wenn mir etwas sehr schwer faellt zu beschreiben, dann stimmt etwas nicht – und ich lasse es lieber.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren  insgesamt zu dem Thema?

Ich bewundere AutorInnen, die mutig sind – und das heisst auch, die politisch sein duerfen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich schreibe meist nachts oder am fruehen Morgen, da mein Leben durch meine Engagement in einem Kinderhaus in einem Township Suedafrikas sehr ausgefuellt ist.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Zwei Buecher: “Endlich den Mut…” – Briefe eines polnischen homosexuellen KZ-Ueberlebenden – und fuer junge LeserInnen “Afrika – Geschichte eines Kontinents”.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.

Gern geschehen !


 

Lutz van Dijk im www

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