Manu Wirtz: „Ich vertraue meinem Unterbewusstsein voll und ganz“

Interview mit Manu Wirtz

 

Manu Wirtz
(c) Manu Wirtz

Manu Wirtz ist Jahrgang 1959 und gebürtige Solingerin. Nach einer Lehre absolvierte sie an der Bergischen Universität Wuppertal ein Studium zur Kommunikations-designerin. Seit Jahren arbeitet sie als freiberufliche Grafikdesignerin für Buchverlage und in der Werbung. Daneben ist sie Autorin von Katzenkrimis, Kurzgeschichten und Sachbüchern. Manu Wirtz lebt in der Eifel mit ihrem Ehemann und der Katze Jule. 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein, ich habe eine Geschichte im Kopf, die unbedingt erzählt sein will. Das muss einfach raus.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Gar nicht. Ich kenne nicht mal das Ranking meiner Bücher. Aber sollte mein Buch einmal auf der Spiegel-Bestseller-Liste auftauchen, würde ich doch einen Luftsprung machen.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Loslassen, warten und entspannen. Etwas anderes machen. Manchmal muss ich meiner Phantasie die Zeit geben, die sie braucht, um die richtige Wendung in der Story zu kriegen, oder das nächste Kapitel. Ich vertraue meinem Unterbewusstsein voll und ganz. Es meldet sich, wenn es soweit ist. Dann stehen die Sätze plötzlich klar vor meinem geistigen Auge. Ich brauche sie nur noch abschreiben. An solchen Tagen fliegen die Finger über die Tastatur.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Gefühlt zuviel Zeit. Facebook ist ein Zeitfresserchen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

(c) Autorin

Social Media ist mit Sicherheit sehr wichtig. Aber es gilt ja, seine Leser zu erreichen, nicht andere Autoren. Daher sind Rezensionen ein relevantes Marketinginstrument. Leserunden sind sehr hilfreich, Rezis zu bekommen, und man erhält ein wirklich gutes Feedback. Jeder sollte seine eigenen Ideen für Werbung finden und umsetzen. Dabei kann sehr Originelles herauskommen. Ein Beispiel: Das Lesezeichen mit dem Plastiklöffel zu der Anthologie „Die Löffel-Liste“. Diese witzigen Lesezeichen sind bei meinen Buchhändlern sehr beliebt. (Das Buch ist übrigens für den Indie Autor Preis 2015 von neobooks nominiert.)

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Kein bestimmter. Meine liebsten Genres sind Krimis und Agenten- oder Politthriller. Aber ich lese auch Querbeet.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Für mich steckt dahinter sehr viel Verlagspolitik. Lange Zeit waren die Selfpublisher verschrieen. Aber der enorme Zuwachs dieses Buchmarktes und die größer werdende Leserschaft werden auch das Feuilleton letztendlich überzeugen. Es wäre gut für Spiegel, FAZ & Co. mehr die Zusammenarbeit mit den Buchbloggern zu suchen. Und öfter mal abseits den Mainstreams nach unbekannten Literaturperlen Ausschau zu halten.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben? 

Jeder, der ein Buch schreiben und veröffentlichen will, steht am Anfang einer sehr langen Reise. Die größte Herausforderung sehe ich darin, die eigene Motivation aufrecht zu erhalten und den Glauben an sein Buch nicht zu verlieren. Vor allem nicht, wenn man sein Manuskript bei Verlagen eingereicht hat. Ich hatte nicht Geduld, monatelang auf eine Antwort zu warten, und habe deshalb als Selfpublisherin begonnen. Die beiden letzten Bücher sind dann bei Verlagen erschienen. Oh: Und kein DKZV!

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Ja, Sex-Szenen. Ich kann besser Krimis schreiben.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Ich bewundere jeden Autor, der sich mit politischen und gesellschaftlichen Themen kritisch auseinandersetzt. Ich selber schreibe nicht in diesem Bereich, aber ich bin der Meinung, dass sich Kunst – und dazu gehört das Schreiben – nicht die freie Meinung verbieten lassen darf.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich bin neben meinem Brotjob als freiberufliche Grafikerin eine Zwischendurch- und Jetzt-habe-ich-die-Idee-Schreiberin. Ich schreibe weiter an meinem Manuskript, wenn ich das Gefühl habe, jetzt ist der richtige Moment dafür, die Ideen und Sätze sind da und müssen fixiert werden, bevor ich sie vergesse. Dann passiert es auch schon mal, dass ich einen Kundenauftrag unterbreche, weil das Schreiben in diesem Augenblick wichtiger ist.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Ich schreibe derzeit an einem Thriller über internationalen Mädchenhandel. Das Web 2.0 ist dabei Problem und Lösung zugleich. Ich habe noch nicht entschieden, ob ich das Buch als Selfpulisherin herausbringe oder mit einem Verlag.

Fabelhafte Bücher: Mit bedanken uns herzlich für das Gespräch.


 Manu Wirtz im www

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