Wolfgang Wiekert: „Schreiben ist für mich Lebensinhalt, fast schon Sucht“

Interview mit Wolfgang Wiekert

 

wiekert
(c) W. Wickert

Wolfgang Wiekert alias Hanno Berg wurde 1961 in Lüdenscheid geboren und wuchs dort auf. 1981 Abitur am Zeppelin-Gymnasium der Stadt. Anschließend Studium von Jura und ev. Theologie in Bochum, Gießen und Marburg. Noch während des Studiums Veröffentlichungen kürzerer Texte in Tageszeitungen und im regionalen Radio. Später Veröffentlichung von vier Büchern, vier eBooks und Beteiligung an einigen Anthologien. Nebenher Beschäftigung als freier Mitarbeiter diverser Tageszeitungen und Magazine, u.a. des „Geisterspiegels“. In etwa 50 Zeitungsartikeln und mehreren kurzen Radiosendungen berichteten die Medien bisher über Wiekerts Arbeiten.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein, nie. Ich schreibe viele Kurzgeschichten, mit welchen ich mich häufig um die Teilnahme an Anthologien bewerbe. Dabei gibt es natürlich auch „Konkurrenten“. Bisher aber waren meine Geschichten in der Regel gut genug, sodass ich keine Angst entwickeln musste, von der „Konkurrenz“ ausgestochen zu werden.

Wenn ich einen Roman schreibe, so stört mich die „Konkurrenz“ erst recht nicht. Ich skizziere den Verlauf. Dann schreibe ich das Buch fertig, was manchmal sogar Jahre dauert und biete es anschließend diversen Leuten an. Wenn ich darüber nachdenken würde, wie viele andere Leute Bücher produzieren, hätte ich wahrscheinlich gar nicht angefangen, überhaupt zu schreiben. Schreiben ist für mich Lebensinhalt, fast schon Sucht. Was andere schreiben ist dabei für mich zweitrangig.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Ich bin in dieser Beziehung etwas ambivalent. Ich denke, dass Bestsellerlisten aussagefähig sind, was die Popularität eines Buches angeht, aber nicht unbedingt bezüglich seiner Qualität. Wenn viele Leute ein Buch mögen, heißt das für mich nicht, dass ich es selbst lesen möchte. Dennoch kann es in den Bestsellerlisten auch qualitativ hochwertige Bücher geben und natürlich auch Bücher, die ich selbst lesen will. Allerdings bestimmen die Bestsellerlisten meist nicht mein Kaufverhalten. Wie das bei anderen ist, kann ich nicht beurteilen.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Ich schreibe meine Ideen immer sofort auf, damit nichts verloren geht, allerdings nur die Ideen, die wirklich gut sind. Dann skizziere ich eine Geschichte, die ich oft sehr viel später aufschreibe, entweder, weil ich erst später Zeit dazu habe, oder, weil meine Stimmung zunächst nicht dementsprechend ist. Wichtig ist es für mich, den Anfang zu finden. Ist dieser erst einmal gemacht, dann „läuft“ es meistens. An einer Kurzgeschichte sitze ich in der Regel ein oder zwei Nachmittage. Damit bewerbe ich mich damit um die Teilnahme an Anthologien.

Bei größeren Projekten, etwa Romanen, ist das etwas anders. Schon der Entwurf erfordert ungleich viel mehr Zeit, als der einer Kurzgeschichte. Manchmal muss ich tagelang das Konzept entwerfen. Wenn ich aber eine gute Grundidee hierzu habe, kann ich mich richtig hinein „verbeißen“. Die Verschriftlichung des ganzen Romans allerdings verschlingt dann doch sehr viele Stunden meiner Freizeit und meiner Ferien.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Ich schreibe Kurzgeschichten für verschiedene Internetmagazine, etwa den „Geisterspiegel“ oder den „Fantasyguide“. Zudem schreibe ich Artikel über Bücher, die ich gelesen habe und deren Autoren, ebenfalls für den „Geisterspiegel“. Außerdem wurde ich schon von verschiedenen Institutionen und Verlagen gebeten, eine Kurzvita oder ähnliche Dinge für ihre Website zu verfassen, die diese dann online stellten. Für solche Aktivitäten habe ich allerdings bisher kaum 5 % meiner zur Verfügung stehenden Freizeit aufwenden müssen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

In allererster Linie entscheidend ist die Vermarktung durch den Verlag, der das Buch heraus bringt. Welche Strategien er verfolgt, wird man sehen. Man kann jedoch von folgender Regel ausgehen: Je größer der Verlag, desto besser sollten seine Möglichkeiten der Vermarktung sein.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Mich beeinflussen vor allem die guten deutschen Krimiautoren, von welchen ich in den letzten Jahren einige gelesen habe sowie nationale und internationale Autoren von Fantasy- und Horrorgeschichten. Allerdings übernehme ich nie eine ihrer eigenen Ideen. Ich finde, so etwas gehört sich nicht, und es ist außerdem auch strafbar.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Hierzu habe ich mir leider noch nicht sehr viele Gedanken gemacht. Vielleicht wäre es ein Weg, wenn es mehr neue Verlage gäbe und diese mehr Mut zur Veröffentlichung von Newcomern entwickelten. Über den Erfolg dieser Newcomer, auch in den bekannten Medien, wird aber vermutlich letztlich immer der Verkauf ihrer Werke entscheiden.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Anfängerfehler? Welche sollten das sein? Wenn jemand eine Geschichte zu erzählen hat, die ein ganzes Buch füllen kann, so soll er es um Himmels willen tun! Wenn er bereit ist, das Risiko einzugehen, dass das Buch nicht sofort in einem der großen Verlage gedruckt werden könnte, ja, vielleicht zunächst gar nicht gedruckt wird, so soll er es schreiben. Der einzige wirkliche Fehler, den er vielleicht machen könnte, ist der, für die Veröffentlichung seines Buches viel Geld zu bezahlen. Das wäre sicher falsch, denn dabei kann er nur viel Geld verlieren. Aber es gibt inzwischen schon öfter die Möglichkeit, ein Buch kostenlos als eBook herauszubringen, zum Beispiel bei „Bookrix“. Solches würde ich empfehlen.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Ich tue mich schwer, Situationen, Denkweisen oder Verhalten zu beschreiben, das ich persönlich vorgenommen oder erlebt habe und das ich nicht gern öffentlich machen will. Manchmal ist jedoch genau das nötig, und dann habe ich das Problem, mich selbst so zu schützen, dass ich mir nicht schade.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Jeder, der menschlich mit solch heiklen Themen umgeht und dessen Kritik sich im demokratischen Spektrum bewegt und natürlich auch feinfühlig genug ist, hat m. E. ein – ebenfalls demokratisch legitimiertes – Recht dazu, über diese Themen kritisch zu schreiben.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Wenn ich kürzere Sachen schreibe, so schreibe ich oft nachmittags bis zum Abend. Schreibe ich längere Stücke, so schreibe ich morgens einige Stunden und nach einer Mittagspause von ein bis zwei Stunden wieder einige Stunden lang.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Meine nächsten Projekte sind zwei bis drei Kurzgeschichten, mit denen ich an verschiedenen Wettbewerben teilnehmen möchte. Die Ideen hierzu stehen schon, und ich muss nur die Zeit finden, um sie fertigzustellen. Mein nächster Roman hingegen wird ein Krimi werden. Dies wird allerdings wieder einige Zeit brauchen.

Fabelhafte Bücher: Mit bedanken uns herzlich für das Gespräch.


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