Albrecht Behmel „Doktor Faust und Mephisto! Oder: die Teufelsreise“

Zusammenfassung, Inhalt und Rezension

Aufgemotzter Klassiker – entstaubt aber quietscht

Gastrezension von Alex Nel

Inhalt:

An diesem Stoff haben sich schon viele versucht, Heinrich Heine, Marlowe und natürlich Goethe, doch die „Geschichte vom Faust“ ist viel älter. Sie geht auf die Volksbücher des Mittelalters zurück – und im Mittelalter war alles bekanntlich ganz anders. Genauso ist es mit Albrecht Behmels Interpretation des Klassikers. Zwar treten viele bekannte Aspekte auf, Auerbachs Keller, der Blocksberg und sogar Margarete, die ja eine Hinzufügung Goethes war, doch hat man beim Lesen das Gefühl sich in einem Parallel-Universum zu bewegen, in dem die Marx Brothers, Terry Pratchett und Douglas Adams miteinander zu tief ins Glas geschaut haben.

Herausgekommen ist eine schräge, teilweise über-erzählte, Parodie/Neuerzählung, der es gelingt, der Vorlage den Staub abzupusten und alle Klischees, die man über Faust kultiviert haben mag auf den Kopf zu stellen. Gags kommen vollkommen unerwartet in Boomerang Manier zurück oder schleichen sich durch die Hintertüre ein: verdrehte Zitate, absurde Konstellationen und das alles garniert mit einem ordentlichen Schuss absurdem Humor. Wer Woody Allen mag, ist hier richtig. Wer aus der Perspektive gestrenger Germanistik an das Buch heran geht wird vermutlich enttäuscht werden.

Sprachlich orientiert sich die Geschichte zwar einigermaßen am Original, doch stets so, dass ein irrer Twist entsteht. Es treten eine Menge deutscher Dialekte auf, Hessisch, Platt, Schwäbisch, Berlinerisch, Sächsisch und Pfälzisch, dazu eine Menge Hochschul-Jargon, denn Faust ist immerhin Ordinarius an der Uni Heidelberg. Apropos! In dem Roman wird endlich erklärt, warum das Schloss von Heidelberg eigentlich eine Ruine ist.

Rezension:

Es treten einige Satzfehler in dem Buch auf, die sich erst bei genauerem Hinsehen als absichtlich gepflanzte Fußangeln herausstellen. So verliert Doktor Faust etwa bei einem Gelage in Auerbachs Keller nicht nur seine Grammatik, sondern auch seine Satzzeichen.

Das Buch ist bei 110th erschienen, einem reinen Label für E-Books und ist mit Graphiken von Christoph Tänzer ausgestattet, die in eine starke Comic-Richtung gehen, wozu man verschiedener Ansicht sein kann. Interessant ist es allemal, denn die Illustrationen sind dezent eingesetzt und wirken nicht aufdringlich.

Der Roman hat rund 300 Seiten und ist zu empfehlen: Er ist für alle eine vergnügliche Lektüre, die die Bearbeitung von Goethe kennen oder kennen lernen müssen. Aber selbst, wenn man keine Ahnung von Faust hat, macht es Spass, in die Welt von Hexen, Liebestränken, Teufelspakten und Riesenrössern einzutauchen.

Infos:

 

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