Ann Aguirre – „Die Enklave“

Rezension von Lisa 

Das Antlitz der Welt wurde durch schwere Naturkatastrophen so verändert, dass ein normales Leben an der Erdoberfläche nicht mehr möglich ist. In den Tunneln unter New York kämpft die Menschheit ums nackte Überleben.

Die 16-jährige Protagonistin Zwei und ihr neuer Partner Bleich haben als Jäger die Aufgabe, ihre Gruppe mit Nahrung zu versorgen und die Gemeinschaft vor Angriffen zu beschützen. Ihr Leben ist hart, erbarmungslos, kurz und vor allem geprägt durch die strengen Regeln der Enklave.

Als die Bedrohung durch die sogenannten Freaks (Zombie-ähnliche Kreaturen) immer größer wird, erkennt Zwei, dass sie handeln muss, um sich und ihre Freunde zu retten, selbst wenn dies bedeutet, dass sie sich den Gefahren der Oberwelt stellen muss…

Unterhaltsam & spannend? Ja. Intelligent & gefühlvoll? Nein.

Der Rezensionstitel ist keinesfalls beleidigend gemeint. Die Enklave ist ein 1A Action-, Abenteuer- und Survival-Roman. Wenn man Zwei und Bleich durch die düsteren und stickigen Tunnel begleitet, spürt man förmlich die Anspannung ob der unheimlichen Bedrohung.
Die Idee einer Gesellschaft, die unter der Erde ihr Dasein fristet, ist sicherlich nicht neu, aber allemal für eine interessante Geschichte gut. Ann Aguirre versteht es, die Philosophie der Enklave (Nur der Starke überlebt…) überzeugend darzustellen und sorgt somit für eine stimmige Atmosphäre. Man nimmt es dem Roman ab, dass das Leben im Untergrund grausam, dreckig, erbarmungslos, unfair, hart, gnadenlos, beklemmend usw. ist und dennoch verfällt Die Enklave niemals in eine depressive Grundstimmung.

Leider schöpft die Autorin ihre Idee nicht richtig aus. Über die Geschichte und die Struktur der Enklave erfährt man wenig bis gar nichts. Seit wann existiert die Enklave überhaupt? Wie viele Mitglieder hat sie? Es wird zwar gesagt, dass die Menschengruppen aus Versorgungsgründen nicht allzu groß sein dürfen, aber müssten über die Jahre hinweg dann nicht Probleme wie zum Beispiel Inzucht auftauchen? Fragen über Fragen…

Das Kapitel Enklave wird nach nicht einmal 200 Seiten zugeklappt und der Schauplatz verlagert sich nach oben. Im neuen Umfeld werden Zwei und Bleich mit den dort ansässigen Jugendbanden (und noch mehr Zombies) konfrontiert und finden in den Jugendlichen Tegan und Pirscher zwei weitere Mitstreiter. Von da an geht leider alles bergab…

Gestört hat mich die Einführung einer gekünstelten Dreiecks-Beziehung. Zwei und Bleich haben im ersten Teil des Buches wunderbar miteinander harmoniert, im zweiten Teil musste die Autorin aber auf Biegen und Brechen unbedingt noch einen weiteren Mitwerber ins Feld schicken… Das wäre meiner Meinung nach überhaupt nicht nötig gewesen, da Die Enklave ja gerade vom gegenseitigen Vertrauen/Zusammenhalt der beiden Hauptpersonen lebt. Somit war diese Aktion eher ein Stimmungstöter (zumindest für mich).

Das Ende des Buches ist ziemlich offen und erscheint etwas willkürlich gesetzt, da keiner der Handlungsstränge richtig beendet wurde. Als Leser hätte man über einige Sachverhalte gerne Gewissheit gehabt, aber plötzlich endet das ohnehin schon kurze Büchlein und zurück bleibt ein Berg voller Fragen…

Wer das Buch schon zu Ende gelesen hat: Ich finde es außerdem nicht in Ordnung, dass man Pirschers vergangene Taten einfach so unter den Teppich kehrt, frei nach dem Motto: Das ist Schnee von gestern! Das ist im Bezug auf sein Opfer Tegan nicht gerade respektvoll und ganz ehrlich: ein Mörder und Vergewaltiger hat sich (zumindest bei mir) jeden Anspruch auf Respekt verwirkt.

Generell geht es in Die Enklave eher ruppig als gesittet zu. Zwei ist nicht gerade die feinfühligste Person. Sie geht mit einer Keule auf die Jagd, fällt ziemlich schnell harsche Urteile über Personen, die sie gar nicht richtig kennt und macht sich auch ansonsten keine Gedanken, wenn sie zu ihrer Verteidigung ein paar Leute erdolcht.

Fazit

Das Ganze hört sich jetzt wahrscheinlich ziemlich schlimm an, aber wie schon zu Anfang gesagt: Die Enklave ist actionreiche Unterhaltungsliteratur, nicht mehr und nicht weniger. Man darf keine hoch philosophischen Gedankengänge oder nachdrückliche Botschaften erwarten. Die Kids in Die Enklave wollen vor allem eins: ÜBERLEBEN. Das bedeutet eben auch, dass die Charaktere manchmal in primitive, wenn nicht sogar animalische Handlungsraster zurückfallen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Enklave ist wie ein Action-Film: man lehnt sich zurück, genießt die Show und lässt sich gefangen nehmen, obwohl die Storyline vorhersehbar ist, die Protagonisten lieber ihre Muskeln als ihre grauen Zellen sprechen lassen und Schockeffekte wie Zombiehorden einfallslos sind. Deshalb der Rat: Für Freunde von nachdrücklichen, appellierenden Dystopien ist Die Enklave vielleicht nicht das Richtige, wer aber nach unterhaltender, kurzweiliger Literatur zum Entspannen sucht, kann beherzt zugreifen!

Für Fans von actiongeladenen Endzeit-Szenarien sehr empfehlenswert!

Lisas Bewertung: 3,5 von 5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

 

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