Christopher Paolini – „Das Erbe der Macht“

Rezension von Lisa

Die Gefährten sind versammelt…
Der schwarze Tyrann ist bereit…
Der Tag der Entscheidung ist da. 

Inhalt und Rezension

Unbefriedigendes Ende der Reihe

Über zwölf lange Jahre ist es nun schon her, dass Christopher Paolini mit dem Schreiben seiner Eragon Reihe anfing. Da aus den geplanten drei Bänden vier wurden, mussten die Fans der Bestseller einige Durststrecken in Kauf nehmen. Im November 2011 erschien nun endlich der lang ersehnte vierte Teil Das Erbe der Macht, welcher die Geschichte abschließt.
Eragon und Saphira haben seit ihren Abenteuern in Band 1 viel gelernt und sind bereit, Galbatorix und seinen Schergen in einer alles entscheidenden Schlacht gegenüberzutreten.

Den ersten Teil habe ich trotz der vielen Mängel als ein nettes und kurzweiliges Jugendbuch empfunden. Die Parallelen zu Herr der Ringe und Star Wars sind eindeutig, zudem bestechen die Charaktere und die Geschichte nicht gerade durch Originalität. So schlimm, wie einige Rezensenten das Buch hinstellen, ist es allerdings auch nicht. Der Autor war 15 Jahre und dafür ist ein 700 Seiten-Wälzer – trotz den Ähnlichkeiten – eine beachtliche Leistung. Schuld am schlechten Ruf der Reihe ist wohl hauptsächlich der Hype bzw. die Medien, die Eragon als die Sensation schlechthin anpreisen. (Das nennt man wohl aus der Mücke einen Elefanten machen 😉 )

Eragon ist allenfalls durchschnittlich und ohne das junge Alter des Autors hätte die Reihe nie eine solche Berühmtheit erlangt. Genre „Veteranen“ sollten deshalb vielleicht besser einen großen Bogen um die Reihe machen, aber für jugendliche Leser, die vorher noch nie ein Fantasy Buch in den Händen gehalten haben, ist Eragon meiner Meinung nach ganz in Ordnung. Und wie gesagt: ich mochte den ersten Band trotz, oder gerade wegen seines naiv-kindlichen Charmes. 🙂

Das, was bei dem Debüt eines 15-Jährigen vielleicht noch „nett“ erscheint, verflüchtigt sich alsbald, wenn der Autor älter wird und immer noch dieselbe Arbeit (mit denselben Fehlern) abliefert. Eine Weiterentwicklung kann ich so gut wie nicht erkennen; im Gegenteil!
Seit dem 3. Band „palavert“ mir Christopher Paolini auf gut Deutsch gesagt zu viel. Die endlosen Beschreibungen drosseln die Erzählgeschwindigkeit und sorgen dafür, dass die Serie ihre gewisse Leichtigkeit einbüßt. Es braucht im letzten Band schon knapp 600 Seiten, bis die Erzählung an Fahrt aufnimmt und endlich einige der offenen Fragen geklärt werden. Was davor geschieht, lässt nur noch als „unnützes Geplänkel“ bezeichnen.

Meiner Ansicht nach war die Teilung des letzten Bandes ein gravierender Fehler. Der Stoff reichte nicht mehr für ca. 1700 Seiten von Band drei und vier und der Autor kompensiert dies u.A., in dem er dem Leser ein Füllerkapitel nach dem anderen vor die Nase wirft. Die Passagen aus Rorans Sicht werden zu ausführlich geschildert und laufen immer nach dem selben Schema ab. Ungefähr 80 Seiten handeln nur davon, wie eine Stadt des Gegners (wie so oft) durch einen supertollen Einfall seitens Eragons Cousin (der nie eine militärische Ausbildung etc. genossen hat und dennoch 100 Soldaten im Alleingang mit einem Hammer niedermäht!) erobert wird. Der Witz ist, dass für dieses Erlebnis für das Fortkommen der Geschichte völlig irrelevant ist und problemlos in zwei bis drei Sätzen hätte abgehandelt werden können. Alles in allem hätte dem vierte, ebenso wie dem dritten Band ein strikte Kürzung und eine strengere Hand beim Lektorieren gut getan.

Die Geschichte entwickelt sich (bis zu einem bestimmten Punk, dazu später mehr) haargenau so wie man es erwarten würde. Alles läuft ZU GLATT. Es gibt keine unerwarteten Wendungen, der Bösewicht ist platt und unkreativ, der Endkampf unspektakulär und bis auf eine Ausnahme  kommen alle Charaktere mit dem Leben davon. (Ich bin kein Fan von Autoren, die ihre Charaktere sinnlos über die Klinge springen lassen, aber im Anbetracht der Tatsache, dass ein brutaler Krieg herrscht und es massenhaft Tote gibt, ist es unlogisch, um nicht zu sagen kitschig, dass alle Protagonisten mit dem Leben davonkommen.)

Bis hierhin ist die Rezension relativ spoilerfrei, der folgende Teil beschäftigt sich mit den Geschehnissen nach dem „Showdown“ (und natürlich auch dem Ende) und richtet sich an Leser, die den vierten Band bereits gelesen haben!

Achtung SPOILER – bitte nötigenfalls bis „Fazit“ springen.

Ich werde hier nicht alle Unstimmigkeiten und offenen Fragen aufzählen. Es gibt schon genügend Rezensionen die das auf vorzügliche Art und Weise getan haben. Die ungelösten Rätsel sind noch nicht einmal mein Hauptkritikpunkt! Das Ende der Reihe verschenkt so viel Potenzial und war – zumindest für mich – nicht zufriedenstellend.

Bsp. 1 – Firnen alias der grüne Drache: Was für eine Enttäuschung! Warum ist er überhaupt auf dem Cover abgebildet? Selbst Shruikan hatte mehr Screentime. Vor der Veröffentlichung von Das Erbe der Macht war der Drache DAS Gesprächsthema unter den Fans. Der Autor hat ihn zu einer unwichtigen Nebenrolle (im Abspann) degradiert. Firnens einzige „Aufgabe“ in diesem Band besteht darin,  sich mit Saphira (2 Minuten, nachdem sie sich kennengelernt haben) zu paaren… *räusper* (Äußerst unlogisch, vor allem wenn man bedenkt, dass Saphira sonst so stolz ist…)

Bsp 2 – Eragon und Arya: Es wäre ohne Zweifel kitschig gewesen, wenn Eragon und Arya am Ende eine Beziehung eingegangen wären. Die Art, wie die Situation letztendlich aufgelöst wurde, ist aber so… lieblos und stimmungstötend. Auf über 3000 Seiten kommen sich die beiden langsam näher und am Ende verabschieden sie sich einfach so voneinander, obwohl sie wissen, dass sie sich in ihrem Leben nie wieder sehen werden… Äh ja, alles klar! Warum konnte Arya nicht mit Eragon mitreisen? Sie wollte niemals Königin werden und ist mit ihren Position nicht zufrieden. Und warum muss Eragon Alagaësia verlassen und darf nie wieder zurückkommen?
Das Ende wirkt auf mich erzwungen, unlogisch, künstlich und in gewisser Weise auch ernüchternd, da Eragon und Arya beide das Wohl der Allgemeinheit über ihr persönliches Glück stellen. Und für Murtagh und Nasuada geht es ja ebenfalls nicht besser aus… -_-

Bsp 3: …

Bsp 4: …

usw.!

So…. geschafft! Ihr seid endlich am Ende der Rezension angelangt *g* (Sorry wegen der Länge)

Fazit

Schade. Für mich war Das Erbe der Macht aufgrund seiner Langatmigkeit, den unzähligen Füllerkapiteln und dem lieblosen Ende kein großartiges Lesevergnügen. Als einziger Trost bleibt den Fans Christopher Paolinis Vorhaben, weitere Bücher über die Welt Alagaësia zu schreiben…

Lisas Bewertung: 3 von  5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

Auf den ersten Blick

Wie bei den vorherigen Bänden ist ein Drache auf dem Cover abgebildet. Schade, dass das Motiv überhaupt nicht zur Geschichte passt. „Schwarz“ wäre rein inhaltlich die bessere Wahl gewesen. (Wer das Buch gelesen hat, wird wissen, was ich meine…)

Infos

Titel: Das Erbe der Macht
Originaltitel: Inheritance

Autor/in: Christopher Paolini
Reihe: Eragon #4
Genre: High Fantasy
Zielgruppe: Jugendliche
Verlag: CBJ
Format: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 959 Seiten; eBook und Hörbuch
Erscheinungsdatum: 19.11.11
ISBN: 357013816X

 

Redaktion von Beste Bücher

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