David Daglish – „Der Tänzer der Schatten“

Zusammenfassung, Infos und Rezension.

Rezension von Christian Wolfgang Büge

Inhalt:

Die Vorgeschichte zu Thren kann man in der Reihe „Welt der Schattenkriege“, eine Sammlung von Kurzgeschichten, lesen.

Thren Felhorn ist der gefürchtetste Anführer einer Diebes- und Assassinengilde, die Veldarens ärmere Viertel mit eiserner Hand kontrolliert. Die Trifect, ein Bund der drei vermögendsten und einflussreichsten Familien des Landes, wollen seinem Treiben ein Ende bereiten. So entbrennt ein erbarmungsloser Krieg um die Herrschaft über die Stadt. Doch Thren hat einen weitaus größeren und gefährlicheren Plan: Er will ein Schattenimperium errichten, mit dem er das ganze Land kontrollieren kann. Sein Sohn Aaron soll darin eine Schlüsselrolle spielen.

Er nimmt seinem Sohn alle Freunde, den Glauben und drillt ihn zu einem erbarmungslosen Mörder. Doch er rechnet nicht mit dem Einfluss seiner Berater. Kayla, eine Diebin und Informantin, Selke, sein oberster Berater und Robert Haern lehren Aaron, dass man sich seinen Gefühlen stellen muss und die Menschlichkeit in einem niemals sterben sollte. Als Aaron ein Mädchen ermorden soll stellt er sich gegen seinen Vater und verlässt die Gilde. Thren hingegen hat alle Gilden unter sich vereint und plant einen gewaltigen Schlag, der den mittlerweile fünf Jahren andauernden Krieg zwischen Adel und Dieben beenden soll: In nur einer Nacht will er den König und die Trifect ermorden.

Rezension:

– Aufmachung des Buches –

Das Cover passt zum Buch. Man sieht eine dunkel gekleidete Gestalt mit wehendem Umhang und einem Schwert in der Hand. Das Gesicht wird von einer Kapuze verdeckt. Eine Karte hilft sich in Neldar zu orientieren. Das Land wird im Süden und Osten von einem Meer begrenzt, im Norden liegt ein Gebirge und im Westen der Fluss Rigon. Die Karte wird man nur selten brauchen. Der Hauptteil der Handlung spielt in Veldaren, der Hauptstadt des Reiches. Selbst die Ereignisse außerhalb der Stadt beschränken sich auf den nahen Wald, den Kronforst.

– Form –

Der_Tänzer_der_SchattenDie Figur Thren Felhorn ist sehr detailliert ausgearbeitet. Als einer der Protagonisten erlebt man alle seine Taten als authentisch. Er wird im ganzen Land gefürchtet und ist schon zu Lebzeiten eine dunkle Legende in Veldaren. Diesem Ruf wird er durch seine Erbarmungslosigkeit gerecht. Das geht soweit, dass man selbst als Leser jede seiner Drohungen gegen die mächtigsten Männer des Landes als ernste Gefahr wahrnimmt. Sein unbeugsamer Charakter sticht besonders hervor. Das Leid ist nach fünf Jahren Krieg innerhalb Veldarens auf allen Seiten groß. Dennoch weis man als Leser schnell, dass dieser Krieg nur mit dem Sieg oder dem Tod Felhorns enden kann.

Besonders das Ende dieses Bandes hat mir gefallen. Es zeigt das Felhorn eben nicht, wie man denke könnte, geschlagen ist. Vielmehr gewinnt man den Eindruck, dass jede Niederlage ihn nur noch gefährlicher und unberechenbarer werden lässt.

Als Leser wird man mit vielen Kämpfen und Morden konfrontiert. Wie in einem Krieg üblich gibt es viele Opfer – auf allen Seiten. Wer harte Ausdrücke und jede Menge Blut verkraften kann ist hier richtig. Die Stimmung des ganzen Buches ist eher düster. Wer einen Kampf Gut gegen Böse erwartet findet hier nur Schwarz- und Grautöne.

Der Einstieg in das Buch war mir nur mit Überwindung möglich. Aaron ist erst acht Jahre alt, er hat noch niemals jemanden ermordet und tötet dann in einer einzigen Nacht einen Eindringling und seinen Bruder. Wie er zu letzterem fähig war und was seine Motivation dazu hätte sein sollen kann ich in keinster Weise nachvollziehen.

Der Prolog zeigt den Beginn des Krieges zwischen Trifect und Diebesgilden, dass Buch setzt fünf Jahre später – mitten im Konflikt – an. Das Szenario wird entsprechend beschrieben, aber die fünf Jahre Hintergrundwissen fehlen. Man weis nicht welche Kränkungen die beiden Seiten bereits erlebt haben. Was für Pläne geschmiedet wurden. Warum bestimmte Gruppen sich bisher aus dem Konflikt herausgehalten haben. Das macht es schwierig der Handlung und den Beweggründen mancher Figuren zu folgen.

Der Autor bringt immer wieder Begriffe wie „ficken“, „verfickter Traum“, „Schwanz“, „Hundesohn“, Ziegenficker“ und anderes ein. Gute Literatur kommt auch ohne solche Schimpfworte aus.

An einigen Stellen ist das Verhalten der Figuren absolut nicht nachvollziehbar. „Maynard brach zusammen, sank auf die Knie und umklammerte den Schaft des Pfeiles, während warmes Blut über seine Hände rann. Die Söldner um ihn herum fluchten und drängten sich dichter zusammen. ‚Wie dumm!‘, kicherte er rasselnd. ‚Oh Alyssa, wenn du deinen Vater jetzt sehen könntest!'“ (S. 519). Zu meinem Glück bin ich bisher noch nicht tödlich verwundet worden, dennoch nehme ich an, dass kichern und lachen die letzten Dinge wären, die ich täte.

Der Autor selbst hat Anmerkungen zu seinem Buch gemacht:
„Ich habe es unglaublich schnell geschrieben, und zwar mit der Haltung ‚Alles ist möglich‘. Wenn ich nicht wusste, warum ein Charakter tat, was er tat… Scheiß drauf, das würde ich später schon noch erklären.“ (S. 527)
„Die Welt, die ich schuf, war so… so leer im Vergleich zu ihren. Ich hatte keine wichtigen Familien, keine echten Adeligen, keine tödlichen Kreuzungen zwischen Familien.“ (S. 529)

Er spricht damit die „Kinderkrankheiten“ seiner früheren Fassung dieses Werkes an und ist der Meinung diese korrigiert zu haben. Das stimmt nur zum Teil. Manche Handlungen von Figuren bleiben schleierhaft. Ebenso unterscheiden sich die Figuren in keinster Weise was die Sprache betrifft. Alle schimpfen und fluchen wie der gemeinste Bettler auf der Straße. Alle Adligen sind hochnäsig und spucken, im übertragenen Sinne, auf ihre Untergebenen. Vom Ausdruck her könnte die Geschichte in einer Gosse spielen, einen Unterschied machte dort höchstens die Kleidung, aber weder Verhalten noch Sprache.

– Fazit –

Mord, Intrigen und der Traum von Macht – das ist der Stoff aus dem harte Geschichten gesponnen werden.

Fantastische Elemente kommen vor allem vor, wenn es um die Priester verschiedener Götter geht, die ihre Getreuen mit Kräften ausstatten, denen nur wenige gewachsen sind. Viel spannender aber sind die Intrigen und Morde, die Thren begeht. Er hat ein klares Ziel: er will seinen Sohn zu einer Legende machen, die gefürchtet wird. Threns Zielstrebigkeit und Rücksichtslosigkeit bei seinen Vorhaben lassen den Leser die Aura der Unantastbarkeit fast spüren. Besonders interessant ist, dass sich die wichtigsten Menschen in seinem Umfeld, trotz ihrer Angst, gegen ihn wenden. Er ist in jeder Hinsicht extrem und das fesselt.

Autor:

David Dalglish lebt mit seiner Frau und den beiden Töchtern im ländlichen Missouri. Er hat an der Missouri Southern State University seinen Abschluss im Fach Mathematik gemacht. Derzeit verwendet er den größten Teil seiner Freizeit darauf, seine Kinder die zeitlose Kunst zu lehren, wie man Mario auf einen Schildkrötenpanzer springen lässt.

Infos:

Originaltitel: A Dance of Cloaks
Reihe: The Shadowdance Trilogy
Genre: Fantasy
Zielgruppe: ab 16 Jahren
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
Format: Taschenbuch, 544 Seiten

Christians Bewertung: 3,5 von 5 Sternen!

(Christians Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

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