Jonas Jonasson: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“

Zusammenfassung, Infos und Rezension

Inhalt

Allan Karlsson wird 100 Jahre alt. Eingeladen hat er niemanden so direkt – dass sich trotzdem der Stadtrat (Nicht der Bügermeister…) samt Presse einfinden möchte, sieht er gar nicht ein. Außerdem geht ihm Schwester Alice, die alte Giftspritze, schon lange auf die Nerven. Also steigt er kurzerhand samt Pantoffeln aus dem Fenster und verschwindet zum nächsten Busbahnhof. Dass er dort auf einen Abgesandten der schwedischen Mafia trifft und durch Zufall an 50 Millionen Kronen kommt – wer kann sowas schon ahnen…

Damit beginnt eine abenteuerliche Reise durchs ländliche Schweden einerseits und durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts andererseits, die vergnüglicher kaum sein könnte. Staunend hangelt man sich durch Karlssons Lebensgeschichte, bei der sich das alte Schlitzohr mehr als einmal mit einer Stange Dynamit aus unerwünschten Umklammerungen zu befreien wusste.

Rezension

Der_hundertjährige_der_aus_dem_fenster_stieg_und_verschwand„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ war der Überraschungsbestseller des Jahres. Und man mag über den Massengeschmack das feine Nässchen rümpfen wie man will – was Jonasson da abgeliefert hat, gehört zum einfallsreichsten, vergnüglichsten oder auch schlicht zum besten, was Autoren in den letzten Jahren so abgeliefert haben. Es vergeht kaum eine Seite in diesem Buch, ohne dass man über den Einfallsreichtum und die Erzähllust des Autors staunt. Sympathische Charaktere auf beiden Seiten des Gesetzes bevölkern die 413 Seiten, die sich lesen als ob es nur 100 wären. Sagenhaft die Gelassenheit des Hauptprotagonisten. Der Kellners, Atomphysiker, Gulagsträfling, Geheimagent und, und, und…) Allan Karllson hat in seinen einhundert Jahren so ziemlich alles gesehen und lässt sich daher kaum aus der Ruhe bringen.

Kleine Leseprobe gefällig? Julius und Allan gelingt es am Vorabend irgendwie, einen Gangster k.o. zu schlagen und schaffen ihn erst mal in den abschließbaren Kühlraum. Weil der Gangster sich ziemlich darüber aufregt, wird beschlossen, die Kühlung einzuschalten. Der Dialog am nächsten Vormittag:

 Julius fragte Allan, ob er zuerst die gute oder die schlechte Nachricht hören wolle. „Die gute“, bat Allan, „die schlechte kannst du einfach weglassen“.

„Die schlechte Nachricht ist die“, begann Julius und senkte die Stimme in wenig, „das wir gestern in unserem Rausch vergessen haben, die Kühlung wieder auszuschalten“.

„Und?“ fragte Allan.

„Und…? Naja. Der da drinnen ist jetzt ziemlich tot.“

Allan kratzte sich bekümmert im Nacken, bevor er beschloss, dass er sich von dieser Schlamperei nicht den Tag verderben lassen wollte.

„Zu dumm“, meinte er. „Aber ich muss schon sagen, dass Ei hast Du perfekt hingekriegt. Nicht zu hart und nicht zu weich.“

Mit außergewöhnlichem erzählerischen Talent schreibt Jonasson eine Mischung aus Schelmenroman und „Road Movie“, die den Leser glänzend unterhält. Unfreiwillig war der etwas naive und doch lebenskluge Schwede in sämtliche geschichtliche Großereignisse der letzten hundert Jahre verwickelt. Spannend ist der Hundertjährige übrigens auch in der Hörbuchfassung, gelesen von Otto Sander. 

Interessant ist, das offenbar keiner der Marketingprofis aus der Literaturbranche den phänomenalen Erfolg hat kommen sehen. Jonasson war zunächst bei einer Reihe von Verlagen auf taube Ohren gestoßen, bevor er endlich Gehör fand. Mittlerweile war das Werk weltweit auf einschlägigen Bestsellerlisten zu finden. Und die Feuilleton- und Rezensionsmaschinerie wurde erst spät auf den witzigen Hundertjährigen mit seinem Hang zum Schnaps aufmerksam – durchgesetzt hat er sich freilich ohne sie.

Von Beste Bücher 

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