Kady Cross – „Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“

Rezension von Lisa

Inhalt

In London kreuzen Luftschiffe am Himmel, dampfbetriebene Automaten erledigen die niederen Arbeiten, und von jungen Mädchen wird vor allem eines erwartet – anständig sein und hübsch aussehen. Mit Letzterem kann sie durchaus dienen, aber mit der Sittsamkeit hapert es bei Finley Jayne gewaltig,  Die ist übermenschlich stark, und wenn ihr Temperament mit ihr durchgeht, kann es für ihre Kontrahenten schon mal böse enden.

Als sie deshalb ihre Anstellung im noblen Haushalt der Familie August-Raynes verliert, scheint Finleys Schicksal besiegelt. Aber dann begegnet sie dem jungen Adligen Griffin, der gemeinsam mit seinen Freunden die wunderlichsten Experimente veranstaltet. Und Finley passt perfekt in die bunt gemischte Truppe, denn Griffin und seine Freunde haben ebenfalls übernatürliche Fähigkeiten, die sie im Kampf gegen das Böse auf den Straßen Londons einsetzen.

Doch Finley trägt eine dunkle Seite in sich, und obwohl Griffin zarte Gefühle in ihr erweckt, fühlt sie sich auch zu dem zwielichtigen Gangster Jack Dandy hingezogen. Als Griffin und seine Freunde einer gigantischen Verschwörung auf die Spur kommen, die nicht nur Königin Victoria, sondern das ganze Empire bedroht, muss Finley sich entscheiden …

Rezension

Für mich leider eine Enttäuschung….  

Ein wenig Dr. Jekyll & Mr. Hyde, ein wenig X-Men, das viktorianische London als Schauplatz und eine Prise Romantik. Hört sich gut an, oder? Auch das Cover ist der Hammer und lässt auf eine großartige Geschichte hoffen. Tja, weit gefehlt! Das, was sich zwischen den beiden Buchdeckeln befindet ist nämlich alles andere als prickelnd…

Das Wort ‚quälend‘ assoziiere ich eigentlich nicht mit Büchern. Hier passt es aber. Bestseller sehen sicherlich anders aus. Ich habe alle fünf Kapitel die verbleibenden Seiten gezählt und war heilfroh, als ich den Buchdeckel endgültig zuklappen konnte. Zum einen ist die Geschichte einfach unglaublich zäh. Das ganze Buch über wartet man auf einen packenden Moment, einen Höhepunkt, der einem sozusagen zum Weiterlesen zwingt. Pustekuchen! ES PASSIERT NICHTS. Größtenteils besteht The Girl in the Steel Corset nämlich aus uninspirierten und vor sich hinplätschernden Dialogen. Selbst vielversprechende Situationen, wie der Besuch auf einem Maskenball oder der Showdown am Ende verlaufen unspektakulär.

Das_mädchen_mit_dem_StahlkorsettGenauso sieht es auch bei der Charakterisierung aus. Mit drei Worten: Fade, farblos, flau. Der Charakter mit dem wohl größten Potenzial – Finley – wurde überhaupt nicht richtig ausgearbeitet. Was hätte man alles aus ihr machen können! Eine vielschichtige, faszinierende und tragische Figur, innerlich hin und her gerissen zwischen ihren beiden Naturen. Stattdessen ist Finley eine langweilige, profillose 0815 Jugendbuch Protagonistin. Das Faszinierendste an ihr ist die dunkle Seite und die wird im Buch eigentlich die ganze Zeit unterdrückt. Abgesehen von den ersten 50 Seiten wirkt Finley im Buch ‚recht gesittet und harmlos‘.

Die Autorin hat außerdem einen Faible für Dreiecksbeziehungen. In The Girl in the Steel Corset gibt es gleich zwei! Leider muss ich sagen, das mir das Beziehungschaos der Nebencharaktere besser gefallen hat als die Kombination Finley/Griffin/Jack. Griffin hat überhaupt keine Ecken und Kanten und ist genauso langweilig wie Finley. Und Jack? Jack ist nur ein Mittel zum Zweck. Soll heißen: er ist nur dazu da um Spannung in die Beziehung zu bringen. Abgesehen davon hat er für den Plot Null Funktion. Zudem hat er die lästige Angewohnheit, jeden an Finley gerichteten Satz mit ‚Treasure‘ zu beginnen bzw. beenden. Mit der Zeit nervt das nur noch…

Den Titel fand ich ehrlich gesagt auch etwas irritierend, da das Stahlkorsett keine wirkliche Rolle im Buch spielt. Ebenso der Reihentitel The Steampunk Chronicles, dem das Buch nur bedingt gerecht wird. Die vorkommenden Apparate und Apparaturen wirken oftmals ‚zu modern‘ und leider verzichtet Kady Cross größtenteils auf eine genauere Erklärung zur Funktionsweise. Ich erwarte nicht, dass die Autorin eine seitenlange Betriebsanleitung runter rattert, aber einige Infos mehr wären schön gewesen.

In The Girl in the Steel Corset gibt es Telepathen, Menschen mit mechanischen Herzen und Maschinen mit menschlicher Haut, Leute mit übernatürlicher Stärke und Geschwindigkeit, seltsame Kleinstlebewesen im Öl, Äther, Geister der Toten, mit denen Griffin sich unterhalten kann, und, und, und… Nichts davon wird wirklich erklärt! Hätte die Autorin mal lieber mehr Zeit in die Charaktere und die Geschichte investiert, als in irgendwelche halbfertigen Erfindungen.

Fazit

The Girl in the Steel Corset war eine derbe Enttäuschung. Mit dem langatmigen Stil der Autorin und den leblosen Charakteren konnte ich mich letztendlich überhaupt nicht anfreunden. Außerdem war mir das Ganze ‚zu wenig‘ Steampunk und zu viel Seifenoper vor historischer Kulisse. Eine Rezension wird natürlich immer von persönlichen Eindrücken und Gefühlen geleitet und ist ergo subjektiv. Ich kann und möchte auch nicht behaupten, dass The Girl in the Steel Corset generell ein grottenschlechtes Buch ist.

Es kann natürlich sein, dass ein anderer Leser das genaue Gegenteil beim Schmökern empfand. Diese Meinung akzeptiere ich voll und ganz. Gerade das ist ja das Schöne beim Lesen! Jeder Mensch erlebt ein Buch anders und hat demnach auch eine andere Meinung dazu. Also, lange Rede, kurzer Sinn: am besten ihr bildet euch selbst ein Urteil über The Girl in the Steel Corset.

PS: Langsam werde ich misstrauisch. Immer die Bücher mit besonders schönem Cover gefallen mir nicht. Was ist da bloß los? 😉

Lisas Bewertung: 2,2 von 5 Sternen

Redaktion von Beste Bücher 


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