Licia Troisi – „Das Erbe des Drachen“

Rezension von Lisa

Als die achtjährige Dubhe beim Spiel versehentlich einen Kameraden tötet, wird sie aus ihrem Dorf verstoßen. Der geheimnisvolle Sarnek rettet sie, doch will er das Mädchen nicht bei sich behalten. Einst Söldner der Assassinen, ist er nun auf der Flucht vor der blutrünstigen Gilde, die mit allen Mitteln die Macht in der Aufgetauchten Welt an sich reißen will. Dubhe überredet Sarnek, sie als Schülerin bei sich aufzunehmen, und schon bald ist sie zur perfekten Kämpferin gereift und gerät ins Visier der Assassinen. Da sie als Achtjährige getötet hat, ist Dubhe ein Kind des Todes und muss der Gilde dienen. Dubhe versucht zu fliehen, doch ihre Häscher locken sie in einen Hinterhalt. Wird es der jungen Kämpferin gelingen, der todbringenden Gilde zu entkommen? Wird sie ihre Welt vor dem Tyrannen bewahren?

Aufmachung

Die Drachenabbildung im Hintergrund sowie der deutsche Titel sind irreleitend – auf 500 Seiten taucht gerade Mal ein einziger Drache für gefühlte fünf Minuten auf. Ansonsten passen die Motive aber zur Reihe. Derlei Falschdarstellungen kennt man ja leider sogar von Bestsellern und neuerdings sogar von Filmtrailern.

Meine Meinung

Vierzig Jahre später

„Das Erbe der Drachen“ ist der Auftakt einer Bestseller-Trilogie, die sich mit den Erlebnissen nach dem Sturz des Tyrannen in „Der Talisman der Macht“ beschäftigt. Obwohl das Buch von einer neuen Generation handelt, lassen sich viele Gemeinsamkeiten mit dem Vorgängerwerk erkennen: wieder haben wir eine kampfbegabte Heldin, die mit ihrem Magierfreund durch die Gegend zieht, um ein großes Übel von der Welt abzuwenden.

Wie bereits erwähnt spielen Drachen im ersten Band der Trilogie keine Rolle, stattdessen dreht sich die Geschichte um einen Assassinenkult. Das Buch baut auf der Vorgängertrilogie auf, kann meiner Meinung nach aber auch ohne Vorwissen gelesen werden.

Von Leichen und Assassinen

Warum habe ich den Roman noch mal gekauft? Diese Frage hat sich vermutlich schon jeder eifrige Leser gestellt. Manche Bücher gammeln jahrelang auf dem SuB herum, ohne das Interesse zu wecken. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen musste man sie aber unbedingt haben…

…die Rede ist natürlich von den gefürchteten SuB Leichen. 😉

»Das Erbe der Drachen« ist bei mir ein besonders hartnäckiger Fall, wofür es aber naheliegende Gründe gibt. Mit der »Drachenkämpferin« hatte ich so meine Probleme (Stichwort: klischeehafte Charaktere, vorhersehbare Handlung und Schwarz/Weiß Aufteilung). Daneben hat mich die Protagonistin ob ihrer Perfektheit und ihrem aufsässigen Benehmen in regelmäßigen Abständen zur Weißglut getrieben. Da ich der Autorin damals wohl noch eine Chance geben wollte, habe ich die Sequeltrilogie zum reduzierten Preis erstanden. Außerdem handelt das Buch ja von Assassinen, so schlecht kann es also schon mal gar nicht sein, oder? 😉

Fantasy ohne Finesse

Man muss Licia Troisi zu Gute halten, dass sie sich verbessert hat. »Das Erbe der Drachen« ist dennoch meilenweit davon entfernt, ein Meisterwerk der Fantasy zu sein. Dem Schreibstil mangelt es kurzum an Raffinesse und Feinfühligkeit. Beim Lesen habe ich mich vermehrt an diese Actionstreifen erinnert gefühlt, bei denen Autos bei Explosionen meterhoch in die Luft fliegen. Sieht cool aus, ist aber übertrieben und total unrealistisch. (Hach, wie ich diese Holzhammermethode hasse… -_-)

Die Assassinen in »Das Erbe der Drachen« sind bis auf eine Ausnahme alle fanatische, abgebrühte, kaltherzige Mörder. Eine Differenzierung fehlt komplett. Die Seiten sind klar verteilt; gut bleibt gut, böse bleibt böse. Es findet keine Entwicklung statt und die Figuren verhalten sich stets so, wie es von ihnen erwartet wird. Wie langweilig und unkreativ… Der Charakter eines Menschen ist deutlich komplexer und lässt sich nicht einfach auf fünf Eigenschaften begrenzen! Unter diesem Gesichtspunkt viel es schwer, Dubhe und Co. als realistische Persönlichkeiten wahrzunehmen. Sie wirken mehr wie unfertige Entwürfe.

Positive Punkte

Bei all der Kritik muss ich an dieser aber Stelle betonen, dass es deutlich schlechtere Bücher als »Das Erbe der Drachen« gibt. Es kommt immer darauf an, wie viel Erfahrungen man mitbringt. Für Fantasy Veteranen des Genres bietet »Die Schattenkämpferin« nichts Neues, Neulinge könnten aber durchaus ihren Spaß mit der Reihe haben. Ab der zweiten Hälfte nimmt die Handlung an Fahrt auf und ist recht spannend. Auch die im Präsens geschriebenen Rückblicke über Dubhes Ausbildung waren interessant zu lesen.

Fazit

Stellenweise ganz unterhaltsam, alles in allem aber zu klischeehaft und seicht. Da wäre mehr dringewesen.

Lisas Bewertung: 2,6 von  5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

Autorin

Licia Troisi, 1980 in Rom geboren, ist Astrophysikerin und arbeitet bei der italienischen Raumfahrtagentur in Frascati. Mit ihrer ersten Trilogie, der international erfolgreichen Drachenkämpferin-Saga, wurde sie zum Shooting-Star der italienischen Fantasy. Kurz darauf folgte die Schattenkämpferin-Saga, die ebenfalls die Bestseller-Listen stürmte.

Infos

Originaltitel: La setta degli assassini
Reihe: Die Schattenkämpferin
Genre: High Fantasy
Zielgruppe: Erwachsene
Verlag: Heyne
Format: Hardcover, 537 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.02.08
Preis: 16,95€
ISBN: 3453265637
Redaktion von Beste Bücher

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