Maxime Chattam – „Alterra. Der Herr des Nebels“

Rezension von Lisa
Die dunkle Macht aus dem Norden
 

Inhalt

Lange haben Matt, Ambre und Tobias an der Seite der Pans für Frieden mit den Erwachsenen gekämpft. Als plötzlich mehrere Pans tot und mit schwarzen Flecken übersät aufgefunden werden, wird dieser Frieden auf eine harte Probe gestellt. Könnte es die Rückkehr des mächtigen Torvaderon sein, oder kündigt sich eine neue Bedrohung an, die alle Menschen in Gefahr bringt? (Klappentext).

Aufmachung

Das Motiv mit dem Kompass ist treffend zum Inhalt gewählt, aber für mich geht nichts über die alten Cover. 😉 Der schwarze Hintergrund mit den Ornamenten sah edel und gleichzeitig verspielt aus. Bei dem neuen Design fehlt mir leider das Märchenhafte.  Da im Buch auch viel gereist wird, wäre zudem eine Karte (wie in den vorherigen Bänden) zur Orientierung hilfreich.

Rezension

alterraAuf ein Neues! Fortsetzungen zu abgeschlossenen Reihen sind immer so eine Sache. Einerseits freut man sich auf weitere Abenteuer mit den Helden, andererseits beschleicht einen die Angst, dass der Autor den Inhalt seiner Werke auf Teufel-komm-raus ausschlachtet, nur um ein weiteres Buch auf den Markt zu werfen. Dieses Negativbeispiel macht in den letzten paar Jahren leider immer mehr Schule. Zum Glück gibt es dann aber auch Ausnahmen wie der jüngste »Alterra« Band, der zeigt, dass eine Fortsetzung storytechnisch an die Vorgänger anknüpfen ohne ein Abklatsch zu sein.

»Entropie ist die Zunahme von Chaos.« [S.288] »Der Herr des Nebels« setzt drei Monate nach dem großen Krieg gegen Malronce und die Zynics ein und führt die Geschichte um die Gemeinschaft der Drei fort. Trotz des Waffenstillstandes mit den Erwachsenen kehrt keine Ruhe in die durch einen Sturm veränderte Welt ein. Mit dunklen Geschwüren überzogene Panleichen tot aufgefunden, Blitze durchzucken den Himmel und verwesende Tiere durchstreifen die Lande. Alte und neue Feinde erheben sich und nur Matt, Ambre und Tobias können die Gefahr von den Pans abwenden. Abermals begeben sie sich auf eine abenteuerliche Reise, die sie über die Grenzen des Landes bis in den hohen Nordens hinaufführt.

Farbenprächtige Mischung  

Der Einstieg in das Buch fiel mir zuerst etwas schwer, was aber daran liegen mag, dass ich 1.) Die ersten drei Bände vor längerer Zeit gelesen habe und 2.) Der Weltentwurf der Reihe recht komplex ist und mit vielen Fachbegriffen und Eigennamen wie Skaraheer, Chloropanphylliker, Alteration, Mampfer, Nachtschleicher usw. gespickt ist. 😉 Doch die Mühe lohnt sich! Hat man sich erst wieder eingearbeitet, entfaltet die Erzählung ihre volle Wirkung. Maxime Chattam hat mit Alterra eine ebenso bizarre wie faszinierende Welt entworfen, deren Geheimnisse noch lange nicht gelüftet sind. Es gibt immer etwas zu entdecken!

Sprachlich ist das Buch jugend- und kindgerecht gehalten, darüber hinaus versteht der Autor es, die Neugier des Lesers zu wecken. Geschickt gesetzte Cliffhanger treiben einem immer wieder dazu an, Kapitel um Kapitel zu lesen… bis das Buch schließlich nach knapp 400 Seiten zu Ende ist. Irgendwie schade; ich hätte gerne noch weitergelesen.

Ein modernes Märchen  

Die Handlung ist nicht immer logisch und glaubwürdig, wie zum Beispiel die in Bibeln gefangenen Seelen oder das sich als surreale Welt manifestierende Innere der Foltergeister/des Torvaderon. Gestört haben mich die Logiklücken dennoch nicht, denn im geschlossenen Kosmos von Alterra ergeben solche sinnlosen Sachen plötzlich einen Sinn. Bei einem Märchen fragt man sich ja auch nicht, warum Sonnen und Monde reden oder wie sich Frösche in Prinzen verwandeln können. Und genauso verhält es sich auch bei »Alterra«. Man lehnt sich zurück und lässt sich in die bunte, fremde Welt entführen, ohne auf etwaige Absurditäten zu achten.

Ein weitere Gemeinsamkeit der »Alterra« Reihe mit den Grimm’schen Werken ist die konsequente Einteilung in Gut und Böse. Dies liegt unter Umständen darin begründet, dass die Bücher zur All-Age Sparte gehören und damit auch von Kindern gelesen werden. Ich für meinen Teil vermisse schon seit Band Eins die Grautöne in der Erzählung. Mir sind die Helden – allen voran Matt und Ambre – ein wenig zu heldenhaft und gut; die Bösewichter hingegen ein wenig zu böse und inkompetent. Ich würde mich daher freuen, wenn die Beweggründe der Gegner (wie dem Unschuldstrinker) in den nächsten Bänden noch genauer beleuchtet werden würden.

Fazit

Nach einem langsameren Einstieg gewinnt der neuste Serienableger rasch an Tempo und Spannung; an den dritten Band reicht er für mich jedoch nicht heran. »Der Herr des Nebels« ist eher ein Einleitungsband, der die Charaktere mit einem neuen Feind konfrontiert und auf die kommenden Schlachten vorbereiten soll.

Das Ende ist gut gewählt und macht richtig Lust auf die Fortsetzung. Es geht, haltet euch fest, nach Europa. Ich bin schon gespannt, wie sich „unser“ Kontinent verändert hat und auf welche Gefahren die Gemeinschaft der Drei dort stoßen wird. Drei weitere Bände sollen noch folgen, insgesamt wird der »Alterra« Zyklus also stolze sieben Bände umfassen. Ich kann die Reihe nur allen jugendlichen und junggebliebenen Lesern empfehlen, die auf kurzweilige Fantasy mit einem Schuss Endzeit und Märchen stehen.

Lisas Bewertung: 3,5 von 5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

Infos

Übersetzung: Entropia  

Reihe: Alterra #4  

Genre: Endzeit, Fantasy, Märchen  

Zielgruppe: All Age

Verlag: Knaur.  


 

Redaktion von Beste Bücher

 

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