Michail Bulgakow: „Meister und Margarita“

Rezension von Amir.

Wer kennt schon den Teufel nicht? Vielleicht sind wir ihm schon mal auf der Straße begegnet, nur wussten wir es nicht? Wie heißt der Teufel eigentlich, wie sieht er aus und wie würde eine Begegnung mit ihm aussehen, was würde er in unserer Stadt anrichten – wir wissen es nicht! Aber wieso fragen wir denn nicht Bulgakow?
Bulgakow beschrieb in seinem Lebenswerk „Meister und Margarita“ genau diese Ereignisse und er bietet uns einen Einblick in ein Leben nach der Begegnung mit dem Teufel – und dieser war wirklich ein ziemlich hartnäckiger Geselle!

Wir reden über Woland, der mit seinen Gehilfen Behemoth (ein riesiger Kater, – ein sehr kluger sogar – der je nach Lust und Laune auch eine menschenartige Gestalt annehmen kann), Korowjew (oder auch Fagott genannt, der anfangs der Dolmetscher des „Professors Teufel“ ist, trägt ständig einen Zwicker und eine karierte Hose und ist der beste Freund Behemoths) und Azazello (rote Haare, riesiger Stoßzahn, kräftig gebaut – äußerlich ein sympathischer Typ) die Metropolen der Welt seit jeher unsicher macht!

Zwei Geschichten, zwei Teile, ein großes Meisterwerk
Der Roman besteht aus zwei Teilen und zwei miteinander verbundenen Geschichten: Im ersten Teil des Romans begegnen wir Woland, dem Professor für Schwarze Magie, der mit seinen verschiedensten Tricks die Bewohner der Stadt allmählich verrückt macht – Todesfälle, das Verschwinden von Personen, unerklärliche Ereignisse und tagtäglich neue Patienten im Irrenhaus (die aber nur die Wahrheit sagen, eine irrationale, aber trotzdem nichts als die Wahrheit!) sind ein unlösbares Enigma, mit dem das Moskau der 30er Jahre nicht zu kämpfen weiß – die sowieso unter Angst stehende Gesellschaft findet aber eine vom Regime gegebene Erklärung als die passendste: Hypnose! Alles war bloß eine Hypnose des aus Deutschland kommenden Magiers!

Im zweiten Teil wird auch intensiver die zweite Geschichte behandelt: Der Roman des Meisters, dessen genauer Name nicht genannt wird, handelt über Pontius Pilatus – der Mann, der mehr oder weniger Jesu von Nazareth (Jeschua han-Nasri) gekreuzigt hat – und es bedauerte! Diese Geschichte deckt sich auch mit der biblischen Geschichte, obwohl viele Details weggelassen wurden – Margarita, die sich in die Obhut des Teufels begab, nur um ihren Mann, ihren Geliebten zu retten, schafft es letztendlich, dem Meister den Wunsch nach seinem schon verbrannten und teils vergessenen Roman zurückzugeben. Doch das wahre Ende darf hier auf gar keinen Fall gelüftet werde – Leser, lass dich überraschen!
Symbolik, Intertextualität, Raffinesse und einfach nur stark!

meister_und_margaritaDass die Figuren und die alleinige Handlung auch einen historischen Hintergrund haben, wird uns sofort nach der alleinigen Geschichte über Pilatus klar – dieses Werk bezieht seine Teile auch aus der Bibel. Einerseits sind die Namen des Teufels Gehilfen: Behemoth ist z.B im religiösen Sinner die Bezeichnung für ein Landungeheuer, wobei Azazello (oder auch Asasel hebräisch, auch Azazel, Azaël, Asael, bei den Muslimen aber Iblis oder Azazil) beschreibt eher eine Schattenkreatur mit demonischen Zügen. Aber das ist natürlich nicht alles: Die Präsenz von Goehtes Faust lässt sich auch stark deuten! Einerseits ist der alleinige Woland ein Professor aus Deutschland, andererseits haben wir schon am Anfang ein Zitat aus dem Werk: „Nun gut, wer bist du denn? – Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ und noch zahlreiche Indizien deuten auf die Verbindung mit dem Werk des deutschen „Meisters“ (wie z.B. der Pakt mit dem Teufel, den Margarita begeht).

Interessanter Wiese wurde dieses Buch, wie es auch in der Handlung beschrieben wird, verbrannt und dann wieder zu Papier gebracht, seitens der Frau von Bulgakow, als der schon ziemlich krank war – es wurde ca. 12 Jahre geschrieben, aber die volle Version wurde von seiner Frau aufbewahrt und erst nach seinem Tod, als die Zeit reif dafür war, veröffentlicht. In Russland ist es mehr als ein Buch – es hat einen Kultstatus erreicht und wird auswendig gelernt! Und wahrlich haben die Russen recht: Dieses Buch ist mehr, als nur ein Buch und ich bin mir sicher, dass ich es noch drei, vier Mal lesen werde! Es lebe der Meister Bulgakow!

Weitere Infos

Michail Afanassjewitsch Bulgakow, geboren im Jahre 1891 in Kiew, war ein sowjetischer aufgeklärter, satirischer Schriftsteller – eigentlich war er ein Arzt, jedoch schmiss er diese Berufung hin und wurde Schriftsteller. Er ist einer der bekanntesten Gesellschaftskritiker und wurde durch sein Werk „Der Meister und Margarita“ weltweit bekannt – das sogar einen Kultstatus erreicht hat!

Ein großes Lob auch für den Übersetzer Alexander Nitzberg – das Tempo, die Genauigkeit und der Elan der Übersatzung verblüffen! Als ein Übersetzer muss ich wirklich den Herr Nitzberg dafür loben!

Meine Bewertung: (O – war grausam!! 10- exzellentes Buch!!)
Historischer Wert: 0-10: 10
Spannung: 0-10: 10
Lesefreude: 0-10: 10
Muss-man-gelesen-haben: 0-10: 10

 

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