Pam Muñoz Ryan – „Der Träumer“

 

Rezension von Mona

Neftalí ist ein 8-jähriger Junge, der gerne der Welt entrinnt und sich in schöne oder abenteuerliche Szenarien flüchtet. (Seite 15): „Jede noch so kuriose Kleinigkeit faszinierte ihn. Und seine Gedanken waren ständig auf Wanderschaft: Sie wanderten zu dem wütenden Monstersturm, der um das Haus toste und das Dach zittern ließ. Zu dem Grollen des Drachenvulkans Llaima in der Ferne, der die Böden erbeben ließ.

Zu den baufälligen Mauern seines bescheidenen Heims, die zitterten und sich ängstlich duckten, wenn ein Zug vorbeidonnerte. Zu seinem spärlich eingerichteten Zimmer mit der unfertigen Treppe, die in einem Schloss zu einem höheren Stockwerk hätte führen können, aber leider nicht zu Ende gebaut worden war.“

Und dazu hat er auch allen Grund; seine Heimat Chile bietet ihm zwar eine Naturpracht sondergleichen, doch reale Freunde hat er keine. Und wie soll man sich auch einem Jungen annähern, der sich distanziert und seine Nase lieber in ein Buch steckt, anstatt Fußball zu spielen? Neftalí wird von seinen Mitmenschen kritisch beäugt, oftmals herumgeschubst oder geschlagen und ständig belehrt.

Doch die größte kritische Instanz in seinem Leben, ist sein Vater José. Er hält Neftalí für einen „Idioten“, der sich einem gut bürgerlichen Leben mit seinem Lebensstil verwährt. (Seite 71): „Achtet nicht auf ihn, er ist ein Träumer, mit seinen Gedanken stets woanders. Völlig zerstreut. Er ist so in seine eigene Welt versunken, dass er kaum reden kann. Wenn ich nur wüsste, was mal aus ihm werden soll!“ Doch wie soll man einer Welt entfliehen, die der einzige Trostfaktor im Leben ist?

Der TräumerUnd so liest er weiter geliebte Literatur, schreibt Gedichte und erschafft Paradiese. Der Schreibstil in diesem Werk ist sehr besonders. Die Handlung wird flüssig und einfach geschildert, doch beginnt Neftalí zu träumen oder verliert sich in der Besonderheit von Gegenständen oder der Natur, so wird es regelrecht poetisch. Der Leser verliert sich fast in dieser unbändigen Leidenschaft und begibt sich mit Neftalí auf eine Reise ins Land aller Möglichkeiten. Und auch sonst sind sämtliche Stilmittel (zum Beispiel grüne Schriftfarbe) durchdacht und am Ende entwickelt sich das Buch zu mehr als nur einem poetischen Kinderbuch.

Es ist eine Hommage an die Literatur und nebenbei, gerade für Kinder, enorm lehrreich, ohne dabei belehrend zu sein. Neftalí lehrt uns, dass es wichtig ist, für seine Träume zu kämpfen und nicht aufzugeben, ist der Weg auch noch so steinig. Auch Themen wie Verlust und Trauer werden hier angeschnitten, um weitere Beispiele zu nennen. Außerdem ist erwähnenswert, dass das Buch mit zahlreichen Illustrationen gespickt ist. Am Ende jedes Kapitels erscheint eine Zeichnung mit einem Gedicht, das sich der Liebe zur Poesie widmet.

Fazit

Ein durchweg gelungenes und sehr vielschichtiges Kinderbuch, das ich jedem Träumer ans Herz lege. Wer spürbar liebevoll gestaltete und geschriebene Bücher mag, wird dieses (vermutlich) lieben!

5 von 5 Sternen.

 

 

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