Sophie Jordan: Infernale

Rezension von Flora

infernaleKurzbeschreibung

Davy Hamilton ist ein musikalisches Wunderkind, ihr Freund ist der begehrteste Typ auf der Eliteschule und sie hat reiche Eltern. Ihr perfektes Leben bricht zusammen, als sie positiv auf HTS, dem Homicidial Tendency Syndrom, auch genannt Mördergen, getestet wird. Alle Bürger der USA, die diese Genmutation in sich tragen, werden registriert.

Sie wird von der Schule geworfen, ihre Freunde wenden sich von ihr ab, selbst die Eltern sind plötzlich angespannt in ihrer Gegenwart. Gemeinsam mit anderen HTS-Trägern steht sie plötzlich einer feindlich gesinnten Gesellschaft gegenüber. Doch den größten Kampf trägt sie gegen sich selbst aus- ist sie wirklich vorbestimmt, eine Mörderin zu sein?

Meinung

Generell ist Infernale sehr spannend zu lesen, man ist auch (leider) schnell durch damit. Trotz der 380 Seiten ist der Roman locker in einem Tag zu schaffen. Einige Dinge sind aber zu kritisieren.

Erstens wird die Protagonistin Davy Hamilton vor der Diagnose zu perfekt dargestellt. Sie ist ein musikalisches Wunderkind, doch mit drei Jahren einfach so Chopin spielen zu können, ohne je vorher ein Klavier aus der Nähe gesehen zu haben, ist sehr unwahrscheinlich. Der Alltag auf einer Eliteschule und das Training für mehrere Instrumente und Gesang sind auch für Genies sehr anstrengend und Freizeit bleibt dabei nicht mehr viel übrig. Davy hingegen wird als ungestresster und fröhlicher Teenager geschildert.

Relativ realistisch hingegen werden die Reaktionen von ihren Freunden auf Davys Diagnose beschrieben- Davys Bruder, der sie am meisten unterstützt, wird von ihr allerdings links liegen gelassen und könnte meiner Meinung nach in Infernale eine größere Rolle übernehmen.

Sehr vermisst habe ich auch eine genauere Beschreibung des „Mördergens“. Die Protagonistin als überdurchschnittlich intelligente Schülerin hätte doch bis ins kleinste Detail recherchiert und sich informiert. Natürlich darf man dabei auch nicht vergessen, dass der Roman in erster Linie als Jugendroman und Unterhaltungsliteratur gedacht ist und nicht über dieses Thema informieren will.

Es gibt dieses Gen (oder zumindest ein vergleichbares) nämlich auch in der Realität: Es heißt nicht wie im Buch HTS (Homicidial Tendency Syndrome) sondern MAOA-Gen. Ich empfehle dazu das Buch „The Anatomy of Violence“ von Adrian Raine. Auf Deutsch ist es unter dem Titel „Als Mörder geboren“ erschienen.

Fazit

Infernale ist für Leser empfehlenswert, die auf der Suche nach einem guten und unterhaltsamen Jugendbuch sind. Es fehlt weder an Spannung noch an der obligatorischen Liebesgeschichte.

Bewertung

Lesespaß 6/6

Allgemeinbildung 2/6

Schreibstil 4/6

Spannung 5/6

INSGESAMT 5/6

Infos

Originaltitel: Uninvited

1. Band

Verlag: Loewe

ISBN: 978-3-7855-8167-4

Seiten: 380

Weitere Rezension zur Autorin


Weitere Rezension zum Buch:

Davy Hamilton führt ein perfektes Leben – bis ein DNA-Test alles verändert. Sie ist intelligent, eine begnadete Musikerin, attraktiv und hat den perfekten Freund. Doch als sich bei einem DNA –Test herausstellt, dass Davy eine Trägerin des sogenannten Mördergens ist, steht ihre Welt Kopf. Alle Bürger, die positiv auf besagtes Gen getestet werden, werden als potenzielle Mörder und somit als Gefahr für die Gesellschaft angesehen. Somit ist nicht nur Davys wohldurchdachter Lebensplan zerstört, sondern auch ihre Freunde wenden sich von ihr ab. Für Davy beginnt ein Kampf, in dem sie nicht nur die Gesellschaft und ihre Freunde von der Falschheit dieser Vorherbestimmung zu überzeugen versucht, sondern vor allem auch sich selbst.

Infernale ist ein packende Dystopie, die von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und zum Nachdenken anregt. Schon das Cover sowie die Thematik des Buches, die Frage, wie stark Gene unseren freien Willen beeinflussen können, wecken das Interesse. Dies ist meiner Meinung nach ein Thema, das nicht sehr oft im Mittelpunkt eines Jugendbuchs steht. Trotzdem sind auch einige negative Punkte zu nennen. Etwas unrealistisch finde ich, dass sich Davys Freunde, vor allem ihre beste Freundin, die zuvor als sehr loyal und hilfsbereit dargestellt wird, von ihr abwenden und sie sogar noch weiter in das Schlamassel hineinziehen, obwohl sie außer dem Test keinerlei Anlass zu Zweifeln an Davys Charakter haben.

Außerdem wird Davy am Anfang des Buches als das perfekte Wunderkind dargestellt, wodurch es schwerfällt sich in die Protagonistin hineinzuversetzen. Im Verlauf des Buches erhält der Charakter allerdings noch Ecken und Kanten, was dann zur besseren Identifikation mit der Hauptfigur beiträgt.

Neben dem spannenden Thema sind auch die Nebencharaktere, die weiteren Gen-Träger, interessante und sympathische Charaktere. Positiv ist auch aufgefallen, dass es keine langen Pausen in der Handlung gibt, sondern der Leser immer wieder mit neuen Ereignissen überrascht wird. Auch die Liebesgeschichte, die das i-Tüpfelchen des Buches bildet, enttäuscht nicht.

Abschließend kann ich sagen, dass Sophie Jordan mit Infernale einen tollen Auftakt zu einer Trilogie geschaffen hat, die ich sicherlich auch weiter verfolgen werde. Jedem, der sich für eine Dystopie gepaart mit Action und Liebe interessiert, kann ich Infernale nur empfehlen.