Suzanne Joinson – „Kashgar oder mit dem Fahrrad durch die Wüste“

Rezension von Mona.

Aufmerksam auf dieses Buch wurde ich durch das sagenhaft schön gestaltete Cover und den zugleich aufregend und lehrreich klingenden Titel. Erwartet habe ich mir dadurch eine Geschichte, die in mir unbekannte Kulturen entführt, melodiös und dramatisch ist. Und obwohl sie wirklich einiges zu bieten hat, wurden meine Erwartungen nur bedingt erfüllt.

In „Kashgar oder mit dem Fahrrad durch die Wüste“ geht es in einem Handlungsstrang um eine Missionarsreise im historischen China 1923. Die englischen Schwestern Eva und Lizzie haben sich der Missionarin Millicent angeschlossen, um die christliche Botschaft zu verkünden. Dabei verfolgt Hauptprotagonistin Eva Ziele, die weder mit Bekehrungen, noch mit dem christlichen Glauben an sich zu tun haben. Sie nutzt die Gelegenheit, um einen Reiseführer über die ihr fremde Kultur zu schreiben und sich asiatische Luft um die Nase wehen zu lassen. Ganz einverstanden ist sie auch nicht mit der Vorgehensweise der Anführerin Millicent, die schon recht radikale Strategien wählt, um Andersgläubige zu bekehren. Was uns dieser Roman sehr schön aufzeigt, sind die Gefahren und auch die moralische Kehrseite von Missionierungen. Zu unserer heutigen Zeit sind solche Vorgehensweisen (glücklicherweise) eher verpönt, doch damals schien es gängig gewesen zu sein. Dass damit Gefahren einhergehen, dürfen die Protagonisten allesamt am eigenen Leib spüren.

joinson kashgarMitten in der Wüste verhilft Millicent einem jungen Mädchen bei der Geburt, welche sie um ihr Leben bringt. Fortan werden die drei Missionarinnen beschuldigt, das Leben des Mädchen mutwillig genommen zu haben und müssen ihrer Arbeit isoliert und stets scharf beäugt nachgehen. Was mir an diesem Handlungsstrang gefehlt hat, waren einerseits politische Hintergründe, andererseits auch der unmittelbare Bezug zum muslimischen dort vertretenden Glauben.

Auch das vermutete „Frau gegen Natur“-Gefühl, das mir persönlich der Titel versprochen hat, fehlte völlig. Leider konnte auch keine der Protagonistinnen mich positiv beeindrucken. Sehr gelungen allerdings war der Schreibstil, ich habe wahrlich alle dort vorherrschenden Gerüche vernommen, die Hitze verspürt und mit der Protagonistin gelitten.

Der andere Handlungsstrang spielt im gegenwärtigen London. Frieda bekommt eines Tages einen Brief, der ihr mitteilt, dass sie der letzte lebende Nachfahre einer gewissen Irene ist und all ihre Besitztümer erbt. Da sie nie zuvor von Irene gehört hat, begibt sie sich auf eine Reise in ihre Vergangenheit. Gleichzeitig wird Tayeb vorgestellt, er lebt unter dem Radar in London. Nachdem er wegen Vandalismus von der Polizei gesucht wird, flieht er vor dem Gesetz und seine Wege kreuzen sich mit Frieda.

Dieser Handlungsstrang gefiel mir weniger als der vorige, da er relativ vorhersehbar ist und wenig zur Geschichte beiträgt. Alles in Allem muss ich leider, wie am Anfang schon gesagt, eingestehen, dass das Buch meinen Erwartungen nicht gerecht werden konnte. Die Geschichte ist definitiv ausbaubar. Aber ich möchte mich nicht gegen dieses Buch aussprechen, da es doch einige sehr gute Aspekte beleuchtet hat, eine bildgewaltige Sprache aufzuweisen hatte und, wenn man seine Erwartungshaltung drosselt, auch lesenswert ist!

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