Rezension von Ulrike

Die „Zillybücher“ sind seit sehr vielen Jahren aus den Kinderzimmern, Kindergärten und Grundschulen nicht mehr wegzudenken. Es gibt eine Fülle von kreativen Ideen für den pädagogischen Alltag. Korky Paul illustriert und ist gleichzeitig gemeinsam mit Valerie Thomas Autor der Geschichten. Die Hauptfiguren „Winnie the Wich“ und „Wilbur the cat“ werden durch die deutschen Übersetzungen von Uli Günther und Herbert Günther zu „Zilly die Zauberin“ und „Zingaro der Kater“.

Der vorliegende Sammelband erschien im Beltz Verlag und umfasst drei Bilderbuchgeschichten:

Zilly und Zingaro: Endlich Ferien
Zilly und Zingaro: Herzlich Glückwunsch, Zilly!
Zilly und Zingaro: Der kleine Drache

Alle drei Geschichten sind bereits als einzelne Bilderbücher erschienen. Endlich Ferien, ist eine Geschichte die beschreibt, wie die Hexe Zilly gemeinsam mit ihrem Kater Zingaro Urlaubspläne schmiedet. Fliegen ist für Hexen kein Problem und so geht es bald los. Ziel ist eine kleine Insel im Meer mit Sandstrand und Kokospalmen. Am Urlaubsziel angekommen, wird jedoch schnell klar, dass es nicht so einfach ist, die Abendteuer einer Hexe auch zu einem angenehmen Erlebnis für den Kater werden zu lassen. Tauchen ist für Katzen nicht gerade geeignet und so muss sich Zilly etwas einfallen lassen, damit auch ihr geliebter Kater die Unterwasserwelt genießen kann. Es wird gefährlich als Zilly ihren Zauberstab verliert und die Spannung steigt. „Verflixte Zauberei“. Doch mit Glück und „Abrakadabra“ nimmt das Unterwasserabenteuer eine gute Wendung.

Zilly hat am Freitag den 13. Geburtstag. Sie lädt unendlich viele Gäste ein und hat eine Menge vorzubereiten. Zum Glück kann sie zaubern und sich so die Arbeit erleichtern. Am Geburtstag erhält sie viele Geschenke. Ein tolles Fest. Ganz plötzlich sind alle Gäste weg und so auch der Spaß. Wie es Zilly gelingt die Gäste wieder hervor zu zaubern, ist ebenso spannend, wie die Riesenüberraschung die sich Zilly ausgedacht hat. Eine besondere Rolle spielt ein wirklich außergewöhnliches Geschenk, ein Spezial – Zaubersprüche – Buch. „Abrakadabra“ und alle staunen.

Der kleine Drache taucht eines Nachts feuerspeiend in Zillys Schlafzimmer auf. Wo ist seine Mutter und was machen eine Zauberin und ein Kater mit einem kleinen Drachen der noch nicht weiß wie gefährlich Feuerspeien ist. Vielleicht liegt die Lösung in einem Zauberspruch, „Abrakadabra“ und es fliegen Schmetterlinge aus dem Maul des kleinen Drachen. Dies führt zu einem unbeschreiblichen Chaos. An Schlafen ist da nicht mehr zu denken. Mit Überlegung und Hokuspokus gelingt es schließlich die Mutter des kleinen Drachen zu finden. „Abrakadabra“ und beide sind wieder feuerspeiend vereint.

Drei Geschichten die voller Spannung stecken und dennoch so unterschiedlich gestaltet sind, dass es nie langweilig wird. Der Spannungsbogen steigt in jeder der Geschichten stetig an und es gibt einen Wendepunkt an dem es kribbelt. „Ob das gut ausgeht?“, fragen sich Kinder und Erwachsene. Es entstehen Lösungen, die nicht nur auf die Zauberkräfte zurückzuführen sind. Kluges Überlegen und Handeln sind ebenso gefragt, wie das gezielte Einsetzten des Zauberstabes.

Die Geschichten sind in meist kurzen, klaren Sätzen geschrieben. Adjektive werden gezielt eingesetzt um das Umfeld zu beschreiben, der „goldgelbe Sandstrand“ ist gut vorstellbar. Die Wortwahl ist überlegt und kreativ. Es werden auch Wörter verwandt die vielleicht noch nicht zum Alltagswortschatz der Kinder gehören. So wird zum Beispiel das Auslöschen des Drachenfeuers beschrieben: „Das Feuer ist gebannt, doch der kleine Drache noch lange nicht.“ Meist ist die Zauberin die agierende Figur, der Kater denkt sich dies und jenes, agiert aber nicht als Entscheidungsfigur.

Die Doppelseiten des Bilderbuches sind ganzflächig illustriert. Der Text nimmt sich zurück, die Bilder bestimmen das Erleben. Meist sind sie bunt und es gibt überaus viele Einzelheiten zu entdecken. Zilly kommt bunt und fröhlich daher, Zingaro dagegen ist schwarz und oft etwas grimmig. Dabei liegen die kleinen Besonderheiten in den Details. Die Bilderbuchsammlung ist eingebunden in einen Umschlag, der an eine Zauberwelt erinnert. Bunte Farben, glänzende Oberfläche. Ein überaus ansprechendes Cover.

Fazit

Die Bildergeschichten von Zilly und Zingaro sind höchst attraktiv für Kinder und Erwachsene. Dies ist eine gute Voraussetzung für ein gelingendes Miteinander beim Bilderbuch betrachten. Zu Betrachten gibt es ausgesprochen viel. Kinder können sich viele Details der Geschichten aus den Bildern selbst „erlesen“. Viele lustige Details entdeckt der Leser/Betrachter erst beim häufigeren durchblättern. So bleibt das Buch lange interessant.

Die Charaktere der Figuren sind gut zu erkennen. Es fehlt jedoch An vielen Stellen ist keine eindeutige Kommunikation zwischen Zauberin und Kater zu erkennen. Die Impulse kommen meist von Zilly. Der Kater gerät schon mal in Schwierigkeiten und wird gerettet, ansonsten ist er an Zillys Seite und meist ihrer Meinung. Es fehlt das Dialogische. Interessant ist jedoch, dass gerade dies, Kinder dazu ermuntert, selbst in die Rolle zu schlüpfen und für den Kater zu sprechen, seine Gefühle auszudrücken und Ideen zu entwickeln. So wird das scheinbar Fehlende zu einem genialen Detail, dass Freiraum für Fantasie und Kreativität lässt. Vielleicht ist dies ein Grund für die Erfolgsgeschichte der Zillybücher. Die Brillanz und der ganz eigene Charme und Witz der Zeichnungen tun ihr übriges. Es sind Bilder, die sich im Kopf festsetzen und immer wieder ein Lächeln hervorrufen. Identifikationsfiguren mit unterschiedlichen Charakteren und Erscheinungen.

Der Sammelband ist für Kinder ab vier Jahren geeignet. Die englische Originalausgabe eignet sich wunderbar, um Kinder an den Klang der Fremdsprache heranzuführen. Ein sehr gelungenes Werk. 

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