Antoine Vitkine: Hitlers „Mein Kampf“: Geschichte eines Buches

Rezension von Annemarie

Inhalt

Manche Bücher sind weit mehr als nur Bücher. Die Bibel ist ein Beispiel dafür. Es gibt aber auch schreckliche Bücher. Hitlers „Mein Kampf“ ist das vielleicht prominenteste Beispiel dafür. Als Vorbote der Judenverfolgung und des Zweiten Weltkriegs hat es seinen unrühmlichen Weg in unseren Geschichtsbüchern gefunden.

Dieses Buch hier handelt nun von der Geschichte und Bedeutung von „Mein Kampf“. Dabei wird die Geschichte des Buches eng mit Hitlers Geschichte und der des Dritten Reiches verknüpft. Der Aufstieg und Niedergang des Buches, das ein radikaler Sonderling in einem Gefängnis mündlich verfasst hat und von seinen Knastbrüdern und -schwestern abtippen ließ, hin zu einem Buch, dass – nach Anzahl der verkauften Bücher gemessen – zu einem der erfolgreichsten des 20. Jahrhunderts, ja der ganzen Geschichte wurde, wird hier erläutert. Umfassend werden auch die Hintergründe des Aufstiegs erläutert. Es werden auch einige Fragen und Kontroversen aufgeworfen.

Rezension

Das Buch ist sehr ausführlich und auch gut lesbar geschrieben. Dennoch hätte ich mir von dem Titel mehr erwartet und war dementsprechend enttäuscht. Ich fand es in einigen Passagen wirklich sehr langatmig und musste mich wirklich zwingen, weiterzulesen. Vielleicht liegt das einfach daran, dass eine Geschichte über die „Nazi-Bibel“ nicht so spannend sein kann und zwangsläufig ziemlich trocken wird? Schade ist auch, dass zwar ausführlich über das Buch geschrieben wird, aber aus dem Buch wird gar nicht zitiert.

Ich habe „Mein Kampf“ nicht gelesen und hätte schon erwartet, ein oder zwei Beispielpassagen aus „Mein Kampf“ zu finden – einfach, damit ich einen Einblick in den Schreibstil und den Charakter des ganzen Buches bekomme. So aber hatte ich die ganze Zeit über das Gefühl, ein großes Wissensdefizit zu haben. Wie soll ich auch eine Biographie über ein Buch wirklich verstehen, wenn mir das Buch selbst völlig unbekannt ist!

Ziemlich genau in der Mitte des Buches schreibt der Autor dann auch noch, dass zwar rund zwölf Millionen Bücher von „Mein Kampf“ verkauft wurden – aber kaum jemand von der gewöhnlichen Bevölkerung Deutschlands hat den „Bestseller“ je gelesen! Man hat es sich quasi nur als eine Art „Alibi-Buch“ gegenseitig zu wichtigen Ereignissen im Leben geschenkt, um es dann ins Regal zu stellen, wo es verstaubte. Nun, da hat sich mir schon die Frage gestellt: Wenn ohnehin kaum einer von der Zivilbevölkerung das Buch gelesen hat und nur die wirklich überzeugten Nationalsozialisten und NSDAP-Mitglieder das Buch gelesen haben, dann war es ja für die Geschichte des Dritten Reiches und den Aufstieg nur von sehr untergeordneter Bedeutung. Und wozu schreibt man dann ein Buch darüber? Diese Frage wurde mir bis heute nicht befriedigend beantwortet.

Doch warum ist dieses Buch dann gerade wieder ganz aktuell in den Medien und wird neu herausgegeben? Ist das nur die Faszination am Grauen und der Wunsch, das „wahre Wesen“ der Grundidee des Nationalsozialismus aufzudecken, oder steckt mehr dahinter?

Mein Fazit

Für Menschen, die geschichtlich interessiert sind und sich hobbymäßig viel mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen, ein sehr detailliert und ausführlich geschriebenes Buch, das gut und flüssig zu lesen ist. Allen anderen würde ich vom Kauf dieses Buches eher abraten.