Theodor Fontane – „Effi Briest“

Inhalt und Rezension

Effi Briest ist die Heldin des gleichnamigen Romans von Theodor Fontane, der 1894 erstmals erschien und das bekannteste Werk Fontanes ist. Effi ist ein lebensfrohes und aufgewecktes junges Mädchen, das mit 17 Jahren Hals über Kopf mehr oder minder arrangiert heiratet und damit ins Unglück stürzt. Sie heiratet den etwa dreißig Jahre älteren Baron von Innstetten, was zunächst ihrem Ehrgeiz entgegen kommt: Der Aufstieg der Frau vollzieht sich nur über den des Mannes, und der ehrgeizige Innstetten dem eine blühende Karriere im Ministerium vorausgesagt wird, beschert der bereits großbürgerlich aufgewachsenen Effi immerhin einen Titel als Baroness.

Dem Altersunterschied gemäß behandelt Innstetten seine Frau jedoch eher wie ein Kind, welches es liebevoll und nachsichtig zu erziehen gilt und ist überdies häufig auf langen Dienstreisen. Vereinsamt und von der Familie getrennt, beginnt Effi eine Affäre mit einem schneidigen Offizier, der bereits einen entsprechenden Ruf als Schwerenöter hat. Sechs Jahre später entdeckt Innstetten völlig unnötig und durch einen Zufall die Affäre, weil seine Frau dumm genug war, Liebesbriefe aufzubewahren.

Was nun geschieht, beschreibt Fontane als eine Art unumgänglichen Mechanismus. Innstetten offenbart sich seinem Freund Wüllersdorf und diskutiert mit diesem die weitere Vorgehensweise. Spielt Zeit eine Rolle? Hätte Innstetten die Briefe zwanzig Jahre später als alter Mann gefunden – völlig klar – so hätte er keine Szene gemacht und kein Duell gefordert. Soweit sind sich beide einig. Doch wie steht es nach sechs Jahren? Letztlich entscheidet sich Innstetten gegen das Vergeben und Vergessen, da ja nun Wüllersdorf weiß, dass er es weiß. Obgleich er weiß, dass das Duell mit dem Tod eines der Kontrahenten enden wird und mit der gesellschaftlichen Vernichtung seiner Frau, beugt er sich dem Zwang, die Ehre zu wahren.

Den Konventionen seiner Zeit gemäß fordert er den Offizier zum Duell und tötet ihn dabei. Effi Briest nimmt eine kleine Wohnung, es wird ihr der Kontakt zur gemeinsamen Tochter verwehrt (für die sie sich allerdings bis dahin auch nicht über alle Maßen interessierte), ferner wird sie aus ihrer gesellschaftlichen Kaste ausgeschlossen und – dramatisch, dramatisch – lebt dann auch vor lauter Traurigkeit nicht mehr lange.

Das Werk wurde in der ZDF Leserwahl zu den 100 bedeutendsten Werken der Weltliteratur gezählt. Zu Recht gilt Effi Briest als ein entscheidendes Werk des poetischen Realismus der europäischen Literatur. Es behandelt die großen Metathemen, die über alle Zeiten hinweg die Leser in ihren Bann gezogen haben: Liebe, Tod, Schuld und Strafe. Sprachlich und handwerklich auf höchstem Niveau gelingt Fontane hier ein Gesellschaftsroman, der anschaulich die Verhältnisse der damaligen altpreußischen Zeit von Wilhelm II und Otto von Bismarck aufzeigt und überhaupt auch nach Ansicht vieler dem deutschen Gesellschaftsroman erst zur Blüte verhalf. Thematisch ist der Roman mit Leo Tolstois Anna Karenina und Gustave Flauberts Madame Bovary verwandt – auch in den beiden letztgenannten flüchten sich gelangweilte und vernachlässigte Frauen in Affären und empfangen dafür harte Konsequenzen.

 

Von M. Gröls

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