Ingrid Noll – „Der Mittagstisch“

Rezension von frida

Inhalt

Nelly, Mitte dreißig, alleinerziehend, wird von Matthew abserviert. Nun tischt sie für zahlende Mittagsgäste auf, darunter verschiedene Männer: vom ungewöhnlichen Kapitän bis hin zu einem ebenso hübschen wie patenten Elektriker. Leider ist er in Begleitung. Doch die hat eine Erdnussallergie … Es brodelt in der Mordküche.

Rezension

noll mittagstischAls allein erziehende Mutter mit zwei Kindern muss man sich schon mal etwas einfallen lassen, wenn der Vater der Kinder auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist und man zwar ein großes Haus, aber kein Geld hat. Nachdem Nelly ihre Freundin Regine, ein paar Mal zum Mittagessen eingeladen hat, entwickeln die beiden die geniale Idee einen Mittagstisch für angemeldete Gäste einzurichten – gegen Bezahlung versteht sich. Skurrile und überzogene Charaktere gemeinsam an einem Tisch versammelt, eine Frage der Zeit wie lange das gut geht.

In die Tat umgesetzt, entwickelt sich aus dem Mittagstisch ein durchaus positives Geschäft und schließt darüber hinaus sogar auch noch die ein oder andere Lücke im zwischenmenschlichen Bereich. Aber es kommt wie es kommen muss. Gut gemeinte Ratschläge mit falschen Verdächtigungen stehen plötzlich im Raum und bedeuten schon fast das Aus für den Mittagstisch. Nelly schafft es zwar den mittäglichen Frieden wiederherzustellen, allerdings ist dafür das Schicksal der falschen Schlange schon so gut wie besiegelt, es fehlt nur noch das richtige Rezept.

Der sorgfältig ausgetüftelte Mordplan, der umständehalber leider nicht wie gedacht aufgeht, gerät durch das unerwartete Auftauchen des Kindsvaters zunächst wieder in Vergessenheit und Nelly’s Nerven liegen blank. Alles fokussiert sich ab sofort darauf, die Pläne Matthews, der plötzlich Ansprüche auf seine Kinder erhebt, zu durchkreuzen. Am Ende zeigt sich wie gut es ist, qualitativ hochwertiges Handwerkzeug sein eigen zu nennen und wie hilfreich es ist verlässliche Freunde gewonnen zu haben.

Fazit

In feinster Nollmanier kommt es zu absehbaren Szenen, die in ihrer konsequenten Weiterführung über Schicksal, Leben und Tod entscheiden. Demzufolge wird auch niemand umgebracht, denn alle scheiden durch unbeabsichtigten Selbstmord sozusagen freiwillig aus dem Leben. Ein mörderisches Lesevergnügen für kurzweilige Stunden, nach altbewährtem Muster.

Infos

Ingrid Noll, geboren 1935 in Shanghai, studierte in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte. Sie ist Mutter dreier erwachsener Kinder und vierfache Großmutter. Nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten, begann sie Kriminalgeschichten zu schreiben, die allesamt sofort zu Bestsellern wurden. ›Die Häupter meiner Lieben‹ wurde mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet und, wie andere ihrer Romane, auch erfolgreich verfilmt. 2005 erhielt sie zudem den ›Friedrich-Glauser-Ehrenpreis der Autoren‹ für das Gesamtwerk.

Bewertung

Historischer Wert: 1
Spannung: 3
Lesefreundlichkeit: 4
Ratgeber: 1
Muss-man-gelesen-haben: 4
(1-kaum zutreffend / 5-besonders zutreffend)