Crusoe Defoe

Daniel Defoe – „Robinson Crusoe“

Zusammenfassung, Inhalt und Rezension

Inhalt:

Robinson Crusoe’s Geschichte ist grob fast jedem Kind geläufig: Robinson ist der Sohn eines Briten mit deutscher Herkunft (Ursprungsname Kreutznaer), der gegen den erklärten Willen seines Vaters zur See fahren möchte. Die Familie stammt aus der Mittelschicht, der Vater ist immerhin Kaufmann. Zu See zu fahren, so der Vater, bedeute Abstieg und Verderbnis.

Natürlich hört Robinson Crusoe nicht auf seinen Vater, sonst wäre das Buch ja nach 20 Seiten zum Ende gelangt. Statt dessen fährt er zur See und wird bald schon von Piraten überallen und zum Sklaven erklärt. Nach zwei Jahren flieht er mit einem jungen Mann namens Xury, den er dann allerdings nach erfolgreicher Flucht kurzerhand selbst weiterverkauft – an den portugisischen Kapitän, der den beiden Flüchtigen die Überfahrt nach Brasilien ermöglicht hat.

In Brasilien schließlich entdeckt Crusoe seine Kaufmannswurzeln und eröffnet mit viel Erfolg eine Zuckerplantage. Um noch erfolgreicher zu sein, begiebt sich der gerade aus der Sklaverei geflohene Crusoe auf eine Reise nach Guinea um dort nun für sich und seine Plantage selbst Sklaven zu erwerben. Leider, leider – er erleidet Schiffbruch in der Karibik. Er strandet als einziger Überlebender auf einer abgelegenen Insel und kann so grade noch das ein oder andere Utensiel aus dem Schiffswrack retten.

Crusoe baut sich nun eine Unterkunft und beginnt, sich durch Jagd und Anbau eine kleine Selbstversorgung aufzubauen. Durch Zucht gelingt es ihm sogar, eine kleine Ziegenherde aufzubauen. Er fühlt sich auf der Insel nicht sicher und trifft Vorkehrungen, um sein neues Zuhause gegen eventuelle Eindringlinge abzusichern. Als er ernsthaft erkrankt, steht es kritisch um den Neuinsulaner. Als er diese Krise überlebt und er überdies im Fieberwahn ein Erweckungserlebnis hat, wird er fortan zum gläubigen Menschen. Er hat eine Bibel aus dem Schiffswrack retten können und „täglich in den Schriften forschen“ wird sein neues Motto.

Dann wird’s gruselig: Crusoe entdeckt an einem Tag mit guter Fernsicht weit, weit draußen im Ozean die Umrisse einer weiteren Insel. Außerdem entdeckt er nun Fußabdrücke und die Überreste von Kannibalenfestessen. Diese besuchen anscheinend in unregelmäßigen Abständen die Insel und schmeißen dort ihre Partys. Knapp zwei Jahre später, bei einer dieser Partys, entkommt den Kannibalen der Hauptgang: Dieser rennt auf Robinson zu und gemeinsam gelingt es Robinson und seinem neuen besten Freund, die Verfolger zu töten (Siehe Bild). Da Robinson als guter Christ natürlich über den Wilden steht ( ← Achtung. Ironie), gibt er ihm gleich mal einen neuen Namen. Freitag. Denn schließlich hat er ihn an einem Freitag kennengelernt. Jetzt hat Robinson Crusoe ein neues Projekt: Er kultiviert den kleinen Freitag, indem er ihm Englisch beibringt, ihn mit europäischen Gepflogenheiten vertraut macht und natürlich, indem er ihn missioniert und zum Christentum führt.

Erst nach 28 Jahren kann Robinson Crusoe endlich gerettet werden, wobei sich am Ende die Ereignisse überschlagen. Ein englisches Schiff macht auf der Insel halt, wo die gerade gemeuterte Mannschaft ihren Kapitän aussetzen möchte. Wird es unserem „Helden“ – das Überraschungsmoment nutzend – gelingen, den Kapitän zu retten, den Aufstand niederzuschlagen, die Überlebenden auf der Insel auszusetzen und nach dann insgesamt 35 Jahren wieder Fuß auf englischen Boden zu setzen?

Rezension:

Robinson Crusoe und Freitag
Robinson Crusoe und Freitag

Herrlich überbordend ist der Originaltitel: „The Life and Strange Surprising Adventures of Robinson Crusoe of York, Mariner: who lived Eight and Twenty Years, all alone in an uninhabited Island on the coast of America, near the Mouth of the Great River of Oroonoque; Having been cast on Shore by Shipwreck, wherein all the Men perished but himself. With An Account how he was at last as strangely deliver’d by Pirates. Written by Himself.“ Heute käme so etwas eher auf die Rückseite des Einbands!

Defoe’s fantastische Erzählung ist 1719 erschienen und gilt als der erste englische Abenteuerroman – ganze 50 Jahre, nachdem mit dem Simplicissimus der erste deutsche Abenteuerroman entstanden ist. Liest man Romane wie „Robinson Crusoe“ im Original, statt sich die dazu adaptierten Filme anzusehen, so klingt der ganze Plot für moderne Ohren reichlich nationalistisch, sogar rassistisch. Das ist selbstverständlich auch für andere Bücher aus dieser Zeit zutreffend, etwa die Ritterparodie „Don Quichote„. Insoweit spiegeln die Romane das allgemeine Denken, den „Common Sense“ der damaligen Zeit wieder.

Selbstverständlich wird Freitag, der „edle Wilde“ vom Christenmenschen Crusoe angeführt und erweist sich sofort, ohne jede Klärung, als fügsamer Diener. Wäre es nicht logischer, dass „Freitag“ die Gegebenheiten der Insel besser kennt und den Außenseiter Crusoe anleitet? Erst heute mag der Gedanke naheligender sein. Das Robinson Crusoe, obwohl selbst nur knapp der Sklaverei entkommen, Sklaven für seine Plantage kaufen möchte und überdies seinen jungen Begleiter kurzerhand verkaufte, macht es im weiteren Verlauf des Buches schwer, in ihm den symphatischen Helden des Werkes zu sehen. Nichtsdestotrotz gehört dieses Werk mit Sicherheit zum Kanon der Bücher, die man gelesen haben muss, will man sich kulturell auf der Höhe der Zeit bewegen. Wie so häufig werden auch Begebenheiten aus „Robinson Crusoe“ im allgemeinen Sprachgebrauch und im öffentlichen Diskurs als Referenzquelle verwendet.

Allgemein wird angenommen, dass das Leben des Abenteurers Alexander Selkirk das Vorbild für Defoes Erzählung war. Selkirk wurde 1704 nach einem Streit mit seinem Kapitän auf einer Insel ausgesetzt, die heute „Robinson Crusoe“ heißt (→ Insel ansehen). Allerdings wurde Selkirk schon nach viereinhalb Jahren gerettet. Heute gibt es Adaptionen für Kinderbücher, Hörspiele bzw. Hörbücher und auf Guttenberg.org ist das Werk als kostenfreies eBook zu haben → Hier.

Erste Sätze: „Ich bin im Jahr 1932 in der Stadt York geboren und stamme aus guter Familie, die jedoch ursprünglich nicht dort ansässig war, denn mein Vater kam aus dem Ausland, aus Bremen, und ließ sich zunächst in Hull nieder.“

Infos:

  • Ein modernes Werk, welches die Robinson-Thematik aufgreift, nennt man „Robinsonade“. Beispiel für eine gelungene Robinsonade: Ava Felsenstein mit „Connors Licht“ (Siehe Rezension).
  • Defoe gilt mit dem Werk als einer der Begründer des modernen englischen Romans.
  • Defoe war zeitlebens politisch engagiert und gabe zahlreiche Flugschriften heraus. Seinen „Robinson Crusoe“ schrieb er erst im Alter von 59 Jahren und landete damit auf Anhieb einen Bestseller.

Unsere Bewertung

(Rang 1: Irrelevant – Rang 5: Höchstrelevant)

Spannung: 5

Lesefreundlichkeit: 5

Ratgeber: 2

Muss-man-gelesen-haben: 4

Allgemeinbildung: 5